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In Schuld gefangen – Kapitel 22 „Eskalation“

Am folgenden Tag. Es war kurz nach neun und René parkte sein Auto in der Einfahrt der Bruillons.
Luise begrüßte ihn wie gewohnt. Doch …
„Annagreta ist nicht hier, sie musste weg, es tut mir leid, René. Sie sagte, sie wird sich mit Ihnen über Dr. Bruillon in Verbindung setzen.“
René drehte sich zum Auto und dachte beim Einsteigen, dass er doch ganz gerne gewusst hätte, was Annagreta ihm heute wegen Dine, aber auch Jennifer noch sagen wollte. Er fuhr los.
Die Praxis war offen. Er konnte niemanden sehen, doch hörte er hinter der Empfangstheke hervorrufen, dass es heute keine Sprechstunde gäbe und vorläufig auch keine Termine gemacht würden.
„Ich bins, René, was ist hier los?“
„Dr. Bruillon ist vergangene Nacht gestorben, also der Vater unseres Doktors. Der war heute Morgen auch nur kurz einmal hier und ist dann gleich wieder gegangen. Die Praxis bleibt bis nächste Woche Freitag geschlossen. Also René“, die Sprechstundenhilfe kam hinter der Theke hervor, „ich sehe schwarz, dass es hier überhaupt weitergeht.“
„Hat mir Dr. Bruillon eine Nachricht hinterlassen?“
„Nein, René, leider nicht.“
Er verließ die Praxis.
Was sollte er jetzt tun? Nach Hause fahren? Nein, dazu hatte er wirklich keine Lust. Zurück zu Luise? Nein, sie hatte ihn doch auf ihre Schwägerin verwiesen und letztendlich war es doch der Doktor, der ihn zu seiner Schwester geschickt hatte. Dine war in der Staatsanwaltschaft. Er wusste sich in diesem Moment keinen Rat. Sollte er dann etwa doch wieder in die Bibliothek fahren und Bücher lesen? Nein, auch das wäre Quatsch, denn konzentrieren könne er sich in dieser Situation ohnehin nicht. Er entschloss sich schließlich, ins CP zu fahren und sich dort von den Leuten ablenken zu lassen, die auf und ab flanierten, um zu sehen und gesehen zu werden. Er wollte auf andere Gedanken kommen und das neu hinzugekommene Problem mit seinem Praktikum, aber auch das leidige Thema Schwangerschaft vergessen.
Das CP war gegen zwölf proppenvoll. René setzte sich in der ersten Etage in die Nähe einer Rolltreppe, weil dort die meisten Menschen vorbeikamen. Das Café gehörte, wie auch das Café im Erdgeschoss, zu einer lokalen Kaffeerösterei. Von dieser Art gab es dann noch ein weiteres Café in der zweiten Etage, also auf jeder Etage eins. Der Kaffee war unumstritten der Beste und außerdem gab es hier für jede Tasse einen Mini-Croissant gratis dazu, sogar mit einem kostenlosen Nachfüllen der Tasse.
So konnte er sich in Ruhe die vielen Frauen betrachten, die im gemäßigten Tempo mit der Rolltreppe auf die Etage gelangten und Stück für Stück neue Konturen ihrer mitunter sehr interessanten Erscheinung preisgaben. Bald musste er feststellen, dass sich recht viele attraktive Frauen jeglichen Alters im CP aufhielten, sei es um zu essen, zu shoppen oder einfach nur präsent zu sein. Das war alles äußerst interessant, wie er sich eingestehen musste.
Auf dem Stuhl neben ihm sah er eine jener Broschüren liegen, die er damals vor dem Buchladen schon einmal in den Händen hielt. Als er den Titel ‚Das Manuskript‘ las, erinnerte er sich und schlug sie auf. Es geht uns also nicht um Gott, sondern einzig um uns selbst, las er auf einer der ersten Seiten. Auch, dass Gott kein Wohlgefallen am Tod derer hat, die nicht an ihn glauben, war sicher interessant, doch konnten ihm diese Worte im Moment nicht annähernd so viel Kurzweil bieten, wie die Beobachtung der weiblichen Kundschaft des Centers. Weil er diese Broschüre nun schon ein zweites Mal in seinen Händen hielt, würde er sie mitnehmen wollen und bei Gelegenheit auch durchlesen, dachte er sich, als er plötzlich jene Frisur erblickte, die für ihn die erhabene Eleganz vergangener Zeiten verkörperte und schon beim allerersten Anblick damals beeindruckte. Tatsächlich. Es war Luise, die nicht wie die anderen Frauen mit der Rolltreppe nach oben gefahren kam, sondern durch diese Anlage auf die erste Etage gehoben wurde – Perfektion traf auf staunendes Publikum.
Dort angelangt erblickte sie René im Café sitzen, der angesichts der zwar bekannten, doch so unversehens auftauchenden und sich ihm nähernden Erscheinung verschüchtert auf seinem Stuhl hin und her zu rutschen begann und die Broschüre verschämt zurück auf den Stuhl legte.
„Ah René, welch ein Zufall, Sie hier zu treffen.“
„Frau Bruillon, ich bin überrascht …“, er suchte nach Worten, „auch Sie hier zu sehen.“
„Warum sind Sie überrascht? Denken Sie, dass dies kein richtiger Ort für eine Dame sei?“
„Doch, doch, natürlich, setzen Sie sich doch … bitte.“
Und weil er schon einmal der Höflichkeit wegen fast stand, rückte er noch den Stuhl mit der Broschüre etwas weiter von sich weg, damit sie ungehindert in seiner Nähe sitzen konnte. Sie bedankte sich für seine Aufmerksamkeit und nahm auf dem Stuhl Platz, während sie sich ihren Rock hinter ihren geschlossenen Beinen glatt nach unten ausstrich und dabei mit unnahbarem Charme lächelte.
„Ich hoffe, ich störe Sie nicht beim Lesen Ihrer Lektüre!“ Luise hatte die Broschüre bemerkt.
„Nein, nein, diese Broschüre lag schon vorher da. Ich wollte mich wegen der ganzen Ereignisse um mich herum nur etwas ablenken.“
„Sie haben Dr. Bruillon also nicht angetroffen. Es scheint, als ob momentan Probleme Ihr Leben dominieren.“
René wusste nichts Richtiges darauf zu sagen. Er wollte schließlich davon wegkommen und nicht schon wieder damit anfangen.
„Ja, das tun sie wirklich“, antwortete er spürbar kurz und fuhr mit der Bemerkung fort: „Auf der ‚Main E‘ hat eine Mülltonne lichterloh gebrannt.“
„Aha, das ist ja interessant und ist dabei Schlimmeres passiert?“
„Nein … oder doch … ich weiß es nicht.“
„Sie wundern sich scheinbar, dass ich hier bin.“
Luise schwenkte auf ein anderes Thema.
„Wissen Sie, ich halte mich auch gelegentlich hier auf und beobachte die Menschen. Es ist nicht die Menge der Individuen, sondern der Einzelne im sozialen Austausch mit einem Anderen, dessen Handlung auf sein Gegenüber übertragen und von diesem reflektiert wird. Unter Berücksichtigung einer angenommenen Geschlechtsidentität der Beteiligten werden Assoziationen erweckt, die mir bei meinen Studien wertvolle praktische Hilfe sind. Warum sind Sie genau in dieses Café gegangen?“
„Ja, ich auch.“
„Sie auch? Erklären Sie mir das bitte?“
„Auch ich finde Menschen interessant.“
„Soso, und deswegen sind Sie hier?“
„Nein, heute nicht, nicht wirklich, eigentlich weiß ich nicht, was ich machen soll. Zu Hause gibt es Ärger und Ihr Mann ist nicht da, mein Praktikum ruht wohl erst einmal.“
„Ja“, stimmte sie zu, „es ist eine verzwickte Situation, in der Sie sich befinden. Es ist übrigens zu bezweifeln, dass Dr. Bruillon den Praxisbetrieb überhaupt noch einmal so aufnimmt, wie er einmal war.“
René schaute skeptisch.
Das wollte er dann doch genauer wissen und fragte nach: „Wie soll es weitergehen, ich meine, mein Praktikum ist doch noch nicht zu Ende.“
„Ich weiß nicht, René, wie Sie mit ihm verblieben sind, klären Sie mich doch einmal auf!“
„Ihren Mann habe ich heute gar nicht gesehen. Ihre Schwägerin hat mich ja vertröstet, ich würde von ihm, also Dr. Bruillon, Bescheid bekommen, wann sie wieder einen Termin für mich frei hätte. Wer kann mir denn nun sagen, wann der nächste Termin sein wird?“
„Annagreta würde sich ganz bestimmt noch Zeit für Sie nehmen. Leider haben sich mit dem Tod des Doktors viele Dinge geändert, und das ziemlich rasant. Wenn Sie unbedingt noch einen Termin bei Annagreta wahrnehmen möchten, müssten Sie aber nach Bath reisen. Sie ist nämlich schon sehr früh abgereist und wird mit Sicherheit auch nicht wiederkommen.“
„Und was ist mit ihren Sachen? Wenn sie ihre Sachen holen kommt, könnten wir doch noch einmal kurz …“.
René sah darin seine letzte Chance, noch einmal mit ihr über seine Probleme reden zu können.
„Auch dafür wird sie nicht zurückkommen. Wir werden ihre Sachen zusammenpacken und sie ihr nachsenden. Also, lieber René, um ehrlich zu sein, Sie werden sich diesen Termin wohl aus dem Kopf schlagen müssen, genauso wie ihr Praktikum. Er wird die Praxis ganz sicher nur noch dafür seinen Patienten zur Verfügung stellen, um sie an einen seiner Kollegen weiterzuvermitteln. Ich gehe davon aus, dass sie in drei Wochen ganz geschlossen sein wird.“
„Aber … dann ist doch schon wieder alles vorbei und ich habe nichts in der Hand.“
„Dr. Bruillon wird ihnen bestimmt ein gutes Zeugnis ausstellen. Was hatten Sie eigentlich nach dem Praktikum vor?“
„Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht und die sechs Monate sind auch zügig rumgegangen. Eigentlich wollte ich mich in einem viertel Jahr darum kümmern, aber das muss ich jetzt wohl etwas beschleunigen.“
René schaute auf die Tasse, die seit einigen Minuten vor Luise stand.
„Ihr Cappuccino“, sagte er.
„Bitte?“
„Ihr Cappuccino wird kalt“, wiederholte René und blickte auf den zusammengesackten Milchschaum.
„Ah ja, mein Cappuccino, danke!“
Sie holte einen Fünfziger raus und hielt ihn der Bedienung entgegen.
„Ich gehe jetzt und würde mich freuen, könnten wir noch etwas bei mir zu Hause plaudern. Ich bin mir sicher, dass es helfen kann. Lassen Sie, ich mache das mit der Bezahlung.“
Die Bedienung kam, sie rundete großzügig nach oben auf und beide erhoben sich, das Café zu verlassen. Luise ging voran.
„Entschuldigen Sie, Frau Bruillon, aber ich habe mein Auto noch unten stehen und außerdem muss ich in einer Stunde zu Hause sein, sonst macht sie schon wieder Stress.“
„Wer ist sie?“, wollte Luise wissen.
„Sie, das ist Jennifer, permanent gereizt, weil hochschwanger, meine Freundin und der eigentliche Grund, dass ich hier bin.“
„Also kommen Sie doch morgen bei mir vorbei und keiner wird Verdacht schöpfen.“
Luise bot ihm die Hand an, die er bereitwillig annahm.
„Also dann bis morgen“, bestätigte er den Termin und rief ihr noch fragend nach: „Wieder gegen halb zehn?“
Luise blickte nach hinten und schloss ihre Augen zu seiner Bestätigung.
Ihre Ausstrahlung verlieh ihm jene Sicherheit, für die er sonst so energieraubend selbst sorgen musste. Sie gab ihm das Gefühl, mit ihr einen Menschen zu kennen, in dessen Nähe er wirklich aufgehoben ist, auch ohne zu wissen, was auf ihn eigentlich zukommt.
Wie wunderbar, dachte er sich, so schnell kann sich etwas zum Guten ändern. Erleichtert schob er die Stühle unter den Tisch, wobei er auch dieses Mal die Broschüre aus seinen Augen verlor. Mit einem flüchtigen Blick nach hinten verließ er das CP.
„Jennifer!“, er rief sie und lief dabei geradewegs zum gemeinsamen Zimmer.
Jennifer war nicht da. Er schaute im Bad nach, auch da keine Jennifer.
„Jennifer?“, lauter rufend: „Helen?“
Auch vom oberen Stockwerk kam keine Antwort.
Es war niemand zuhause, was sehr merkwürdig war, denn Jennifer und Helen hatten außerhalb des Hauses kaum etwas zu erledigen, und eine der beiden war immer da, wenn er kam. Ist vielleicht etwas mit dem Kind, mit Jennifer oder mit Helen, ist der Ludger hier wieder aufgetaucht und eine von denen hat sich so aufgeregt, dass sie ins Krankenhaus musste?
Er überprüfte sein Handy, ob er nicht einen Anruf verpasst hatte. Aber nichts, weder ein Anruf noch eine SMS war eingegangen. Auf der Kaffeemaschine fand er zuletzt doch noch eine Information. Helen hatte ihm eine Notiz hinterlassen, dass sie gegen acht wieder da sein würden, weil sie noch einmal in die Stadt müssten.
In die Stadt müssen die also. Laufen ist sicher gesund, aber der Stress der Stadt geht dann doch zu weit. Was wollen die eigentlich in der Stadt, so angeschlagen wie die drauf sind? René drehte den Zettel um, da er hoffte, auf der Rückseite noch weitere Informationen zu finden. Aber nichts.
Es wurde sieben. René dachte, sie kämen vielleicht schon etwas eher heim, aber es wurde acht, es wurde auch neun und schließlich zehn.
Die äußere Fliegenschutztür knarrte typisch und auch die Haustür ging einen Moment später auf. Helen und Jennifer kamen herein. Beide kicherten und gingen ohne Kommentar an René vorbei, der durch den Krach aufwachte und nun verschlafen und halb aufgerichtet auf der Couch lag.
„Da seid ihr ja!“, sagte er fast schon freudig, die beiden wiederzusehen, als ihn Jennifer sofort wieder in die Realität zurückholte.
„Es ist bestimmt nicht, weil wir etwas getrunken haben und endlich wieder in unserem geliebten Heim gelandet sind.“
„Ihr habt was?“
René fragte erschüttert und stand im selben Augenblick neben Jennifer.
„Habt ihr etwa gesoffen? Zeig her, hauch mich mal an!“
Er griff Jennifer an die Oberarme und drehte sie mit Druck zu sich, sodass sie direkt vor ihm stand. Sie fuchtelte energisch mit ihren Armen und wollte sich losreißen.
„Du spinnst wohl langsam, lass mich gefälligst los.“
„Sag, dass du keinen Alkohol getrunken hast, sag, dass du noch so viel Verantwortung unserem Kind gegenüber hast, es nicht mit Alkohol vollzupumpen. Sag es!“
René schrie wie nie zuvor.
„Ich will es endlich wissen.“
„Lass mich los, du Arschloch, gar nichts muss ich dir sagen, lass mich sofort los oder ich ruf die Polizei.“
Jennifer konnte sich mit einem Ruck aus Renés lockerer werdenden Griff befreien und stellte sich hinter ihre Mutter, die gerade dabei war, selbst körperlich einzuschreiten.
„Tu das nie wieder! Hast du verstanden? Tu das nie wieder!“, drohte Jennifer, „sonst bring ich dich um.“
René stand erstarrt mit aufgerissenem Mund und Augen da. Er hatte zwar keine Antwort, dafür aber eine eskalierte Situation.
Genau so habe ich mir die letzten Tage in der Schwangerschaft meiner Freundin vorgestellt, dachte er sich verbittert, wie sie sich auf das Kind freut, wie ich mich darauf freue, wie wir uns alle darauf freuen. Und nicht, wie die Oma jetzt kreidebleich noch am Küchenschrank steht und ein Teil in der Hand hält, das ursprünglich zum Breitrollen von Teig hergestellt worden war, welches sich aber auch für andere Handlungen zumindest als Argument sehr gut gebrauchen ließe.
René war schockiert von der Dreistigkeit seiner Freundin, der Dummheit seiner Beinahe-Schwiegermutter und dem eigenen Ausraster, den er gerade zugelassen hat, denn er war schon als Kind von seinen Eltern dahingehend erzogen worden, dass Gewalt keine Lösung darstellen kann. So gab es offensichtlich doch Menschen, die ihm seine Erziehung komplett vergessen ließen. Ich kann diese Frau nicht mehr sehen, durchdrang ihn ein schauriger Gedanke, die bringt mich um meinen Verstand. Nur noch ein paar Wochen, dann, okay, dann haue ich ab und nehme das Kleine mit! Doch bis dahin war es noch ein Stück Weg, den er leider mit den beiden Frauen gemeinsam gehen musste.
„Entschuldigt!“, René sprach mit leiser Stimme weiter, „ich habe mir eben Sorgen gemacht, es kann so viel da draußen passieren. Wie schnell geht es und man stolpert und kracht hin. Jennifer, es war pure Angst um euch.“
René ging auf Jennifer zu, die sich mit weit aufgerissenen und stark geröteten Augen hinter ihrer Mutter verschanzt hatte.
„Komm nicht näher!“, warnte sie und Helens Hand zog sich fester um den Holzgriff.
„Ich habe endgültig die Schnauze voll von dir.“
„Jennifer, aber was habe ich denn gemacht? Ich habe dich grob angefasst, das stimmt, aber ich habe doch sonst nichts gemacht!“
„Bis du einmal mehr machst, dann schlägst du vielleicht zu, nee, darauf habe ich keinen Bock, also, verzieh dich! Raus! Mach, dass du rauskommst!“
„Jennifer, du kannst mich nicht einfach rausschmeißen, ich habe doch nichts getan, wo soll ich schlafen?“
„Das hättest du dir die ganze Zeit lang überlegen können, in der wir nicht zu Hause waren, also dalli!“
Sie zeigte zur Haustür.
René ging jedoch in ihr Zimmer. Nach fünf Minuten kam er wieder heraus, hatte eine Tasche gepackt und hielt einen Umschlag in der Hand.
„Ich mache jetzt nicht mehr lange rum, entweder ihr kommt zur Vernunft oder ich nehme das hier mit. Ich bin so fair und lasse euch die Wahl. Ihr wisst, dass ich euch nie etwas tun würde. Warum ihr so bösartig seid, ist mir vollkommen schleierhaft, es ist nun mal so und ich kann scheinbar nichts daran ändern. Hier sind die restlichen Fünfzehntausend, die ich zusammengehalten habe. Nur so viel zum Thema ‚vier Wochen Karibik‘. Ich besorge noch fünfunddreißigtausend und mache damit fünfzig Mille voll. Das bekommt ihr, wenn du mir das Kind überlässt und freiwillig auf das Sorgerecht verzichtest.“
Ruhe im Haus.
„Wo willst du denn noch fünfunddreißigtausend herholen?“, fragte Jennifer spöttisch, „glaube doch nicht, dass ich dir diesen Schwachsinn abkaufe.“
„Kein Problem“, entgegnete René, „ich bringe die Kohle morgen gleich vorbei und zeige sie euch. Ihr könnt dann entscheiden. Und wagt es nicht, irgendetwas von mir anzurühren, ich brenne euch die Hütte ab, das schwöre ich euch.“
Die Tür krachte laut und war zu. Die beiden Frauen standen noch eine ganze Weile regungslos, bis sie sich auf die Couch fallen ließen.
„Schließ die Tür ab!“, ermahnte Jennifer ihre Mutter, „und schließ auch gleich das Fenster und schau mal, ob die Terrassentür auch abgeschlossen ist. Mama, ich schlafe heute oben! Oder besser nicht! Unten!“
Erst dachte sie an Renés Drohung mit dem Feuer und dann fantasierte sie, dass er einfach einbrechen könnte.
„Ich schlaf unten und du auch!“, dabei klammerte sie sich an einen Arm ihrer Mutter, die selbst vor Angst kaum ruhig sitzen konnte.