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In Schuld gefangen – Kapitel 10 „Glück“

„Du kannst es nicht finden, auch wenn du es noch so sehr willst.“
René irrte in einem Labyrinth herum. Schatten huschten vorüber, sein Blick fiel entlang der endlos hohen Wände. Kleine Leuchten wiesen ihm den Weg und erloschen, nachdem er an ihnen vorübergegangen war. Wallende Echos erreichten sein Ohr: „Gehe immer geradeaus und du wirst den Weg wiederfinden, der hinter dir verschwunden ist.“
Plötzlich diese ihm vertraute Stimme.
„Es ist nicht so. Nein, nur nicht geradeaus, hier entlang, René, hier! Du wirst es dort nicht finden! Komme hier her, René, komm, du bist dort nicht richtig!“
Er drehte sich suchend in jede Richtung, suchte jene Stimme, die ihm sein Herz wild schlagen ließ, die er vermisste, nach der er sich so sehnte und die von überall herzukommen schien.
„Hallo.“
Er rief. Keine Antwort.
Er rief erneut, schrie: „Hallo! Wo bist du?“
„Folge mir nach, ich führe dich Liebster!“
„Ich kenne deine Stimme, ich kenne dich, aber wer bist du?“, rief er verzweifelt.
„Ich bin hier, Liebster!“
René drehte sich in die entgegengesetzte Richtung.
Etwas entfernt vor ihm stand eine junge Frau, streckte ihre Hand zu ihm aus und sagte: „Ich habe gesehen, wie du dich verirrt hast. Glaube niemandem, keiner weiß etwas, gar nichts wissen die, nur ich kenne dich und weiß, wohin du willst.“
Sie ungläubig anschauend ging er ihr langsam entgegen.
„Andrea? … Andrea! Du bist hier? Bist du es wirklich? Bist du hier, um mich aus diesem Irrgarten zu führen? Ich habe so gehofft, dass du mir helfen würdest. Jetzt bist du endlich da.“
„Liebster, ich bin doch immer für dich da“, klang es ihm entgegen, „komm, wir gehen nach Hause.“
Sie zog ihn mit sich. Erst zügig, dann schnell und immer schneller glitten sie um Ecken herum und entlang der ausgedehnten Gänge. Der Luftzug spielte mit ihrem Kleid und ihr Haar versprühte den Duft einer Königin der Nacht.
Er wurde langsamer. Kaum merklich entfernten sich ihre Finger voneinander. Er versuchte sie noch mit lang ausgestreckten Armen zu halten, einfach nur zu berühren.
„Liebster, wo bleibst du, warum bleibst du stehen? Wir wollen doch gemeinsam … hinunterspringen!“
Sein Blick fiel auf seine Füße, auf die Brustwehr des Turms, auf der er unverhofft stand. Mit seinen Armen fuchtelnd versuchte er, Balance zu halten, aber es drängte ihn erbarmungslos nach vorn, nach unten. Wild schlug er mit seinen Armen um sich, um nicht dem Sog zu erliegen. Ein Schrei: „Nein!“
„Was ist los? René! Wach auf!“
Jennifer saß neben ihm auf dem Bett. Sie hielt ihn in ihren Armen und wiegte sich mit ihm hin und her, ganz sanft, wie mit einem Baby. René war völlig verschwitzt und schaute Jennifer erschöpft an. Sie trocknete ihm das Gesicht mit ihrer Bluse, die noch vor dem Bett lag.
„Wie spät ist es?“
„Es ist um zwei … zwei Uhr nachts. Ich hätte dich heute nicht hier allein lassen sollen.“
Sie küsste ihn auf seine Stirn. René wurde langsam wach.
„Du bist wieder da, das ist gut!“
Er umarmte sie und atmete einmal schwer durch.
„Ich hatte einen fürchterlichen Traum.“
„Was hast du geträumt?“, wollte Jennifer wissen.
René fühlte sich wirklich unwohl bei dem Gedanken, ihr von Andrea zu erzählen. Er würde es sicher noch machen, doch nicht jetzt, nicht heute. Diese Geschichte brauchte Zeit, in der sie ihn näher kennenlernen und sich dann nicht mit Andrea vergleichen würde. Es müsste zwar nicht so kommen, könnte es aber, und für dieses Risiko war ihm seit heute diese Beziehung viel zu wichtig.
„Es war wirres Zeug aus meiner Zeit im Heim. Ich kann jetzt nicht darüber reden, in Ordnung?“
Er hielt Jennifer fest und sie spürte sein Verlangen, an ihr angeschmiegt noch auszuruhen. Natürlich war es für sie in Ordnung. Sie bohrte nicht weiter. Noch in ihren Sachen legte sie sich zu ihm und erwiderte seine Umarmung. Beide schlossen die Augen und schliefen ein.
Die Sonne schien ins Zimmer. Als René seine Augen öffnete, konnte er Jennifer nicht sehen. Er rief sie, doch als keine Antwort kam, vermutete er sie schon wieder auf der Arbeit.
Der flüchtige Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass er an diesem Morgen viel zu spät dran war, also wollte er bei Dine anrufen und sich dafür entschuldigen. Sie würde es natürlich akzeptieren, da es bis zu diesem Tag nicht vorgekommen war, dass er zu spät kam oder gar ganz fehlte.
Er zog sich seine Shorts über und begab sich auf die Suche nach dem Handy, als er auch schon ein Rauschen hörte, welches aus dem Badezimmer kam und sich bald als das laufende Wasser in der Dusche herausstellte. Die Tür war nur angelehnt. René schob sie weiter auf. Erst als sie ganz geöffnet war, konnte er die Dusche einsehen. Die Scheiben waren nur leicht angelaufen und auch die Blumenornamente, die den Scheiben an ihren Rändern eine feine Zierde waren, konnten den Blick auf Jennifer nicht verstellen.
Ihre Arme leiteten das Wasser über ihren grazilen Körper. Sie hatte ihre Haare nur grob hochgesteckt. Die Rippenbögen zeichneten sich gut über ihrem Bauch ab. Ihre schlanken und niemals enden wollenden Beine trafen sich an dieser seidenglatten Stelle, die aus zwei himmlischen Wölbungen bestand und deren Genuss vom Vortag er noch immer glaubte zu verspüren.
Sie hatte René schon bemerkt, als er die Tür zum Bad öffnete. Voller Wonne ließ sie sich zuschauen, wie sie ihren mädchenhaften Körper überall einseifte, ausgiebig und ohne den Blick von ihm zu lassen, um dann den Schaum in langen Zügen sinnlich wegzuspülen.
René ging zur Dusche und öffnete einen Flügel. Das Wasser spritzte ihm von ihrer Schulter und ihren festen Brüsten entgegen. Er zog die Shorts aus und stieg mit zu ihr in die Dusche. Sie räkelte sich und drehte René ihren Rücken zu, der auf ihn sah, weiter auf ihren Po, welcher einer Oase gleich ihn zum Verweilen einlud, dass sie ihn aufnahm und auf und ab glitt, bis er den Reizen erlegen in sie eindringen musste. Erst dann verebbten ihre reibenden Bewegungen und gingen in schmeichelndes Fließen über, welches einer wohligen Massage gleich seine Wirkung nicht verfehlte, denn nur nach Momenten der Wohltat war er am Höhepunkt angelangt und ergoss sich tief in ihr mit heftigem Beben, die Glückseligkeit überschäumen zu lassen in vollem Rausch. Minuten vergingen, bis er die Spannung verlor.
„Bleib ruhig“, bat sie ihn, „beweg dich nicht, ich möchte dich noch ein wenig spüren.“
Ihre Augen waren geschlossen, sie atmete tief, er schwer.
Jennifer hob ihre Arme und stützte sich gegen die Wand. René legte sich an sie, küsste ihr den Hals, den Nacken, glitt mit seinen Händen an ihren Armen entlang, über ihre ebenen Seiten auf den Po, dazwischen, hindurch und nach vorn, bis er ihr Zentrum zwischen seinen Fingern spürte und die weiche Frucht mit kreisenden Bewegungen liebkoste. Sie beantwortete sein Spiel mit gefühlvollem Wiegen, ihm zeigend, genau dort angelangt zu sein, wo sie ihn jetzt unbedingt haben wollte, um ihr gieriges Verlangen zu stillen. Schließlich drehte sie sich um und legte ihre Arme über seine Schultern. Er gab bereitwillig ihrem leichten Druck nach und zog mit seiner Zunge ein ihr fröstelndes Gefühl vom Hals bis in ihren Schoß.
„Du bist mein Magier!“, raunte sie, als er mit seiner Zunge ihren magischen Punkt umschmeichelte und in langen Zügen ihr Glückszentrum durchzog.
„Wenn du jetzt aufhörst, bringe ich dich um!“
Mit seinen Haaren in ihren Händen verlieh sie ihrem heftigen Wunsch Nachdruck und René gehorchte bereitwillig. Er vergrub seine Zunge, ließ sie rotieren und stoppte erst in seinem Drang, als sie ihn mit zitternden Beinen und um Gnade flehend an seinen Haaren von sich wegzureißen versuchte. Ihre Augen waren geschlossen, ihr Mund weit geöffnet. Ihr stand der lustvolle Genuss in ihrem Gesicht geschrieben, mit leuchtenden Augen und tiefen Falten um ihre Mundwinkel herum, glücklich und zufrieden in Einem. Die Zärtlichkeit seiner Lippen begleitete sie noch ein Stück in ihrem Glück und nachdem René aufgestanden war, umarmten und küssten sie sich innig und ausgiebig unter dem noch laufenden heißen Wasser.
„Mach dir keine Sorgen, mein Süßer“, sagte Jennifer kurz danach scherzhaft, „erstens nehme ich die Pille und zweitens ist heute Samstag, du hast also nicht verschlafen.“
Dabei zeigte sie auf seine Armbanduhr, die im Abfluss des Duschbeckens lag.
Das Frühstück bestand aus aufgebackenen Brötchen, etwas Marmelade, Honig, starkem Kaffee und natürlich Sex.
Als es Sonntag wurde, waren beide völlig erschöpft, doch auch wahnsinnig glücklich über die vergangenen Stunden der unvergleichlichen Zweisamkeit. Sie stellten voller Leidenschaft fest, dass sie diese harmonische Beziehung eigentlich nur noch mit einer Heirat krönen könnten. An diesem Sonntagmorgen hatten sie tatsächlich darüber gesprochen, das Standesamt in ihrem Bezirk aufzusuchen, um ihre Trauung auf den nächstmöglichen Termin zu legen. Freudestrahlend erschien in diesem Moment keinem von beiden die Zeit, in der sie sich kannten, zu kurz dafür. Man kennt sich nach weiteren Monaten doch auch nicht besser als nach ein paar Wochen, stellten sie überschwänglich fest. Und sowieso, ist man überhaupt jemals vor Überraschungen sicher?
Die Zeit zum Abschied war gekommen.
René brachte Jennifer noch ins CP und fuhr dann nach Hause. Er konnte in den ersten beiden Stunden weder mit sich, noch mit seiner Umgebung etwas anfangen. Seine Gedanken drehten sich pausenlos um sie. Ihm kam die fixe Idee, ins Center zu fahren, um bei einem Kaffee wieder in ihrer Nähe zu sein. Sie würde sich doch sicher freuen, wenn er käme, oder braucht sie vielleicht eine Pause? War es ihr vielleicht zu viel?
Mit diesen Gedanken schlief er auf dem Sofa ein.
Ein schrilles Klingeln holte ihn wieder zurück. Benommen angelte sich René das Handy und schob den grünen Hörerpunkt zur Seite.
„Hallo mein lieber René, wie geht es dir?“
„Geht so“, nuschelte er verschlafen als Antwort.
„Was hältst du davon, wenn wir beiden Hübschen heute Abend mal wieder zusammen ausgehen, so etwa in einer Minute?“
„Was in einer Minute?“
René setzte sich auf.
„Na, dann bin ich da“, und im selben Augenblick klopfte es an der Tür.
„Würdest du mich bitte hereinlassen?“
Dine stand mit ihrem Handy am Ohr im Türrahmen.
„Ich stehe hier und du schläfst. Kann ich lange klopfen.“
„Warum klopfen? Ach so, die Klingel.“
Er schaute nach oben, zog ein Stück Papier aus seiner Nostalgieklingel und drehte sich in Richtung Flur. Dine folgte ihm in die Wohnung.
„Ja“, er strich sich durch die Haare, „die hatte ich abgestellt.“
„Damit dich deine beste Freundin nicht stören kann, habe ich recht?“
„Ja. Nein, hast du nicht. Ich bin heute von Jennifer wiedergekommen und wir hatten sehr intensive Gespräche.“
„Sehr intensive Gespräche!“, wiederholte Dine und schaute anders als sonst bei Neuigkeiten, die Renés Mund verließen, „aha!“
Etwas Eifersucht schwang in ihrer Stimme nach.
„Hast du also deine Kleine vernascht!“
„Ich habe sie nicht vernascht, na ja, ein wenig schon, aber …“, eine kurze Pause, in der sich seine Augen leicht schlossen, „wir haben Liebe gemacht!“, erwiderte er und griff nach ihren Händen.
„Sie ist der Himmel auf Erden und eigentlich habe ich immer nur sie gesucht.“
Natürlich freute sich Dine für ihn: „Ich habe es dir doch gesagt, dass du deinen Gefühlen eine Chance geben musst, indem du loslässt. Vergangenheit stört oft und man stellt auch immer wieder fest, dass ein Ende gleichzeitig ein Neuanfang ist, wenn man es nur will. Wirklich, ich freue mich für euch! So, jetzt zu meinem Anschlag auf dich und weswegen ich hier bin; wir gehen heute Essen, denn ich möchte dir jemanden vorstellen.“
„Wen? Soll ich etwa einen deiner Liebhaber …?“
„Meinen Liebhaber, och, meinen Liebhaber möchte er nicht … nix da Liebhaber!“
Dine lachte.
„Also, papperlapapp, zieh dich um, so kannst du nicht gehen!“
Sie schob ihn zum Schrank und zerrte an ihm herum, bis er nur noch in Unterwäsche dastand.
„Lass das!“
René versuchte, sie zu bremsen. Es gelang ihm aber erst, als sie mit einem ‚Nun gut‘ seine Boxershorts wieder jene zehn Zentimeter nach oben zog, die sie ihm gerade heruntergezogen hatte.
„Da wollen wir mal nicht so sein, du bist ja schließlich ein großer Junge, zumindest ab gestern!“, schmunzelte sie und drückte ihm ein Hemd und eine saubere Jeans in die Hand.