„Wer sind Sie?“, wurde René von einer Krankenschwester gefragt, die zwar einen Kopf kleiner war als er, mit der er sich dann aber dennoch nicht hätte anlegen wollen, so forsch trat sie ihm entgegen.
„Ich bin schon weg.“
„Nee, nee, warte mal Bürschchen, so einfach kommst du mir nicht davon“, sie baute sich vor ihm auf und stemmte die Fäuste in ihre Seiten, „wenn ich eins nicht leiden kann, dann sind es so kleine Furzknoten, wie du, die die Ruhe der Kranken stören.“
„Aber ich habe sie gar nicht gestört, sie schläft doch.“
„Also, wer bist du, dalli, sonst werde ich ungemütlich.“
René hatte schon hinter einem Stuhl Schutz gesucht, um von dieser resoluten Stationsschwester nicht überrannt zu werden, als die Tür aufging.
„Schatz, entschuldige, dass ich dich habe warten lassen, kommt nicht wieder vor.“
Jennifer ging zu René und küsste ihn, als ob beide schon seit Jahren verheiratet gewesen wären.
„Hallo Jennifer, gut, dass Sie gerade jetzt kommen und Ihren …“, die Schwester hob ihr Kinn und blickte mit vorgeschobenem Unterkiefer zu René, “ja, wer ist das eigentlich Ihr Schatz?“
„Er ist mein Freund und wir wollten uns hier bei meiner Mutter treffen. Er sollte eigentlich draußen warten, weil Sie ihn ja noch nicht kennen. Doch, wie ich sehe, ist er schon rein. Vielleicht habe ich mich nur etwas undeutlich ausgedrückt. Es wird nicht wieder vorkommen.“
Sie zwinkerte der Schwester zu, „versprochen!“
Jennifer ging zu dem Bett, in dem ihre Mutter immer noch schlief.
„Wie geht es ihr?“, fragte sie die Schwester.
„Nun ja, sie steht schon mal auf, aber meistens liegt sie einfach nur still da und blickt an die Decke. Heute Morgen hat sie gelächelt, als ein Spatz gegen die Fensterscheibe pickte. Sie hat ein paar Krümel ihres Frühstückes nach draußen gelegt und wartet seitdem. Doch die Krümel liegen noch draußen, also war er noch nicht wieder da. Sie hat Geduld.“
„Hat sie nach meinem Vater gefragt?“
„Seltsamerweise nicht, sie scheint sich mit etwas Anderem zu beschäftigen. Wenn wir die Medikamente drosseln, wird sie uns darauf sicher eine Antwort geben.“
„Danke schön.“
Jennifer drehte sich zu ihrer Mutter und nahm ihre Hand, die unter der Decke hervorlugte. Hinter ihr vernahm sie das Öffnen und Schließen der Tür. Jetzt waren sie allein, endlich allein mit ihrer Mutter.
„Es tut mir …“
„Ist schon gut. Komm her und setz dich zu mir aufs Bett.“
René saß bei Jennifer, die ihm so sehr reif vorkam, obwohl sie doch drei Jahre jünger war als er. Sie hielt die Hand ihrer Mutter und auch seine mit liebevollem Druck.
„Ich komme hier her und immer wieder frage ich mich, was ich nur tun könne, damit sie ein schönes Leben führen kann.“
Ihre Finger zogen sich fester.
„Mein Vater hat sich immer geweigert, sie zu besuchen.“
„Du hast also noch Kontakt zu ihm?“
„Ja, habe ich, aber nur am Telefon. Ich habe ihn auch schon nicht mehr gesehen, seit ich siebzehn war. Bis dahin hat er mich wenigstens gelegentlich besucht, doch eines Tages war damit ganz Schluss. Ich weiß nicht, warum. Wir haben ihm doch nichts getan.“
Sie legte ihre Arme um René und vergrub ihr Gesicht an seinem Hals. Dort spürte er ihre Tränen herablaufen.
„Es muss wirklich schwer für dich sein und du bist so stark“, versuchte er sie zu trösten.
„Ich bin dreiundzwanzig und fühle mich manchmal wie dreiundachtzig, das kann doch nicht sein. Ist das der Preis für Stärke?“
Jennifer hatte sich von seinem Hemd gelöst.
„Ich brauche dich“, sagte sie schluchzend, „allein bin ich nicht länger dazu in der Lage.“
„Worüber haben wir gestern gesprochen? Genau darüber!“, beantwortete René seine Frage im gleichen Atemzug, „dass wir es ab heute gemeinsam anpacken werden und daran hat sich nichts geändert.“
Er zog Jennifer an sich, umarmte sie und hatte so das erste Mal in seinem Leben das Gefühl, wirklich gebraucht zu werden.
„Jennifer, Liebes, da bist du ja.“
„Mama, du hast geschlafen, schau, wen ich mitgebracht habe!“
Jennifer stand auf, damit ihre Mutter besser auf René sehen konnte. Doch er stand schneller und gab ihr einen Strauß bunter Freesien.
„Es war nicht möglich, den Sommer ganz hereinzuholen, aber so doch wenigstens den Duft der tausend Blüten da draußen.“
Ihre Augen leuchteten und sie nahm den Strauß gerne an.
„Jennifer, gib ihnen bitte Wasser, sie brauchen dringend welches.“
Als Jennifer am Waschbecken stand, erhob sich Frau Estril etwas aus ihrem Bett und sagte zu René, „ich habe sofort gemerkt, junger Mann, Ihr Herz ist da, wo es Jennifer am meisten braucht!“
Lächelnd legte sie sich wieder zurück.
„Hast du etwas gesagt Mama?“, fragte Jennifer, als sie mit der Blumenvase und dem Strauß wieder am Bett war.
„Nein, ich habe mir nur deinen Freund angesehen.“
Sie blinzelte zu René.
„Ich bin müde, lasst mich schlafen, meine Lieben.“
„Hat mich gefreut, Frau Estril!“
„Helen, sag einfach Helen zu mir.“
Sie drückte seine Hand mit kaum fühlbarer Sanftheit, verabschiedete sich noch von Jennifer, legte ihren Kopf zur Seite und schloss ihre Augen.
Jennifer und René verließen den Raum.
„Das geht immer so und auch nicht erst seit diesem Schub, sondern auch bei den anderen zuvor. Es sind die Tabletten, die sie so müde machen. Sie hat dich in ihr Herz geschlossen, und das soll etwas heißen!“
Sie umschlang seinen linken Arm und ging mit ihm nach draußen.
„Du tust mir gut“, sagte sie, „mir und meiner Mutter!“
„Du tust mir aber auch gut“, antwortete er, „ja, ihr tut mir gut“.
„Warum warst du eigentlich bei meiner Mutter?“, fragte Jennifer etwas später nach.
„Ich wollte die Frau kennenlernen, die so eine tolle Tochter hat“, antwortete René und fasste sie bei einer Hand.
„Und das, wenn sie im Krankenhaus liegt?“
„Leider kann ich sie nicht unter anderen Umständen kennenlernen.“
„Ja, das ist leider so. Außerdem …“
René fragte nach, „außerdem?“
„Außerdem bin allein ich der Auslöser für ihren letzten Zusammenbruch gewesen.“
René ließ sie los.
„Du darfst so etwas nicht sagen, alles Mögliche kann der Auslöser gewesen sein und genau betrachtet liegt die eigentliche Ursache für ihren Zustand schon sehr weit zurück. Also hör bitte auf, dich für irgendetwas verantwortlich zu machen!“
Er versuchte zu lächeln, was ihm aber nur mäßig gelang.
„Ich muss nachher noch zur Schicht“, unterbrach Jennifer die entstandene Stille.
„Wann musst du im Heim sein?“
„Erst gegen neun, weil ich mit einer Kollegin getauscht habe. Ich hoffte, es käme heute ein wenig mehr bei unserem Besuch heraus, als nur ein ‚Hallo‘. War ja wohl nichts, wieder mal nichts.“
Ihre Stimmung war ziemlich am Boden.
Häuser zogen an ihnen vorüber. Die Sonne schien gelegentlich zwischen ihnen hindurch ins Auto. Langsam wechselte sie ihre Farbe zu einem dunklen Orange und ließ den Himmel erglühen.
„Morgen wird es wieder heiß.“
„Ja, wird es“, bestätigte Jennifer leise, hielt ihre Augen aber weiter auf ihre Hände im Schoß gerichtet, die mit dem schmalen Stoffgürtel ihres Rockes spielten.
Nach zwanzig Minuten waren sie in der ‚Bellham 237‘ angelangt, dem Haus der Estrils.
„Kommst du noch auf einen Kaffee mit rein?“, bat sie ihn fragend, “ich möchte jetzt nicht allein sein; wir können uns nach hinten raus auf die Terrasse setzen, wenigstens noch für ein paar Minuten.“
René folgte ihr ins Haus.
Es war aufgeräumt. Die Schuhe standen der Reihe nach und frisch geputzt neben einer Truhe mit vergilbter Bemalung. An der Garderobe hingen Sommersachen, auf ihr lagen verschiedene Hüte.
„Die muss aber alt sein“, bemerkte René und blickte dabei auf die Truhe.
„Ja, ist sie. Als Mama sie bekam, war sie schon siebzig Jahre alt und das ist auch schon wieder … warte … fast zwanzig Jahre her. Ich kann mich noch genau erinnern, immer wieder auf sie geklettert zu sein, um an meine Jacke zu kommen.“
„Und da oben?“
Jennifer sah seinen Blick auf die Hüte.
„Ganz oben auf ist mein erster Hut, den ich mit drei bekam, bis dahin hatte ich nur Mützen.“
Sie streckte sich und nahm den Stapel Hüte herunter.
„Schau mal, wie schick der ist.“
René musste lachen, als er sie mit diesem viel zu kleinen Hut auf dem Kopf sah. Lächelnd legte sie ihn zurück. Als sie sich umdrehte, stand er ganz nah bei ihr. Ihre Augen trafen sich für einen Augenblick, suchten sich jedoch sofort ein neues Ziel. Wieder trafen sie sich und verharrten so für eine Weile.
„Du …“, beide begannen gleichzeitig zu reden und stoppten wieder, als jeder den anderen hörte.
„Du …“, wieder hörten sie sofort auf.
„Was du?“, fragte René, „Sag schon!“
„Nein, du warst zuerst“, sagte sie und blickte ihn mit großen Augen an.
„Du …, jetzt weiß ich auch, dass die Farbe von der Truhe deshalb kaum noch zu sehen ist, weil du ständig darauf herumgeturnt bist.“
Er lächelte, zeigte auf den Deckel und war froh, in dieser prickelnden Situation überhaupt einen Satz herausgebracht zu haben.
„Und was wolltest du sagen?“
„Ich wollte sagen, dass, tja, dass“, sie rollte mit den Augen und dachte nach, „äh, dass du da wohl recht hast.“
Beide waren davor, den nächsten Schritt zu wagen. Doch genau dieser Gedanke daran durchbrach den stetigen Fluss seiner aufkommenden Gefühle.
„Was ist, mein Süßer?“, fragte Jennifer.
Ohne jedoch darauf einzugehen, bat er sie, ihm noch mehr vom Haus zu zeigen, denn der Flur könne ja noch nicht alles gewesen sein.
Sie nahm ihn bei einer Hand und führte ihn so von einem Zimmer zum nächsten.
„Das ist mein Zimmer!“, strahlte sie ihn an.
Die Wände waren bis auf zwei Aquarellbilder, auf denen blühender Lavendel zu sehen war, vollkommen leer. Ihr Bett war fein säuberlich gemacht, und das, obwohl sie allein zu Hause war. Ein kleiner Tisch mit dünnen Beinen stand vor einer Wand. Auf ihm befanden sich drei kleine Dosen, daneben eine Bürste, ein Bilderrahmen und eine Schale mit allerlei Haargummis und Spangen. Darüber hing ein Spiegel, der mit Halsketten behangen war. Als er näherkam, konnte er sich auf ein paar Fotos erkennen, die in dem Bilderrahmen zu einer Collage vereint waren.
„Wann hast du die gemacht?“, fragte er sie und hob den Bilderrahmen dabei an, „das bin doch ich!“
„Als ich dich das erste Mal im Café gesehen habe, wusste ich, dass ich dich kennenlernen musste.“
Sie deutete auf das Bild, auf dem er seine Hände auf einem weißen Umschlag liegen hatte und er sich mit einem anderen Mann unterhielt.
„Das war … kurz nachdem ich Justin abgeholt hatte und wir uns im Café unterhielten.“
„Der Witzige“, sagte sie scherzhaft.
„Ja, genau der“, stimmte René ihr nachdenkend zu.
„Aber warte mal.“
René erinnerte sich an seine Ankunft in der Klinik.
„Ich hatte heute das Gefühl, es wäre ein Schatten hinter mir entlanggehuscht. Als ich aber zurücksah, war niemand da. Machst du heimlich Bilder von mir? Zeig mir mal dein Handy!“
Er drehte sich zu Jennifer, die schmunzelnd am Fenster stand.
„Also warst du es doch! Und warum hast du mich dann bei der da oben schmoren lassen? Die hätte mich beinahe in der Luft zerrissen.“
„Na, das hätte nie passieren dürfen. Ist es auch nicht, noch mal Glück gehabt!“
Jetzt grinste sie frech.
„Du kleines Luder!“
René ging auf Jennifer zu, die sich langsam an der Wand entlang aus dem Staub machen wollte.
„Um ein Haar wäre ich platt gewesen und du stehst am Fenster und grinst.“
Beide mussten lachen und vergeblich versuchte er, sie zu greifen.
„Bleib stehen, ich krieg dich doch!“
Jennifer rannte unter lautem Gekicher aus dem Raum, René hinter ihr her. Sie tobten den Flur entlang und die Treppe hinunter. In der Wohnstube hätte er sie beinahe gehabt, doch konnte sie gerade noch aus ihrer Bluse schlüpfen, die er nun in seiner Hand hielt.
„Meine erste Beute, ich komme dich holen“, drohte er mit tiefer Stimme und stampfte dabei immer fester auf den Boden.
Jennifer schrie während sie flüchtete – gerade noch konnte sie ihm entwischen. Es ging wieder die Treppe hoch und zurück in ihr Zimmer, in dem sie sich auf ihr Bett fallen ließen. Das Schwingen der Matratze beendete sanft das Toben. Sie lagen nebeneinander auf ihren Rücken, drehten sich die Köpfe zu und tasteten sich vor, die Hand des anderen zu greifen.
Wie schön sie ist, dachte er sich, als er ihr in ihre glänzenden Augen schaute. Sein Herz schlug stark und der Puls war sehr gut an seinem Hals zu erkennen. Jennifer blickte in sein Gesicht und drehte sich zu ihm. Mit ihrer Hand strich sie ihm über seine Schläfe und durchkämmte sein Haar. René küsste ihren Arm, als sie ihn berührte. Er schmeckte einzigartig zart. Ihre Haut war rein, nur ein paar kleine Muttermale und ihre Sommersprossen, ansonsten wie von Seide. Sie schmeichelte seinen Lippen und die winzigen Härchen kitzelten kaum spürbar, eher angenehm, ja sehr angenehm.
Auch René drehte sich zur Seite. Sie schlossen ihre Augen. Er streichelte sie zärtlich. Jennifer näherte sich mit ihrem Gesicht, ihn behutsam an sich ziehend. Erst als sie sich nur wenige Millimeter voneinander spürten, öffneten sie ihre Augen wieder.
„Wie habe ich darauf gewartet“, flüsterte sie und grub ihre Finger in seine Haare.
„So sehr habe ich dich gesucht“, flüsterte er zurück und küsste sie. Jennifer erwiderte seinen Kuss ihre Augen erneut schließend. Kaum spürbar strich er über ihre Wangen, ihren Hals, ihren Arm, und schob seine Hand in den Ärmel ihres T-Shirts. Ein leises, wohliges ‚Mhmm‘ drang an sein Ohr. Ihr Gesicht entspannte sich, ihr Mund war zu einem Spalt geöffnet, der René einlud, sie erneut zu küssen. Genauso sanft, genauso lang berührte er ihre Lippen, die dieses Mal etwas zuckten, als baten sie um mehr. Er küsste sie noch einmal, ganz kurz nur, und noch bevor sie diesen Kuss erwidern konnte, war René wieder fort. Sanft legte er seine Hand auf ihre Augen, die sich soeben öffnen wollten. Das durften sie aber nicht, nicht jetzt, nicht, da sie engelsgleich seine Liebkosungen empfing und er seine Sehnsucht stillend ihr diese Gefühle bescherte.
„Küss mich“, bat sie ihn, „bitte! Noch ein Mal“.
Er berührte ihre Lippen mit seiner Zunge.
Sie erschrak: „Was machst du?“
Ohne ein Wort strich er zwischen ihren Lippen entlang. Ein kurzes Zögern, ein Kuss, und sie konnte sich nicht mehr beherrschen.
„Ich liebe dich!“, sagte sie erregt und zog an seinem Hemd, es ihm in einem Stück herunterzureißen.
Knöpfe fielen ab, ein Reißverschluss verlor ein paar Zähne, nichts, was sie in ihrem ungebremsten Verlangen aufhalten konnte, sich einander hinzugeben. Wie im Taumel entledigten sie sich ihrer Sachen.
Jennifer hatte René auf seinen Rücken gedreht. So konnte sie ihn sehen, alles sehen, auch das, was ihr so gefehlt hat, seit sie eine junge Frau war. Ungezügelte Körperlichkeit war es, was sie heute suchte und mit ihm finden sollte. Es war der Ausdruck ihrer Sehnsucht nach der Erfüllung einer viel zu kurz gekommenen Liebe, der sie bisher vergebens in ihrem Leben nachgerannt ist.
Es wäre nicht notwendig gewesen, René genau dort zu berühren, zu streicheln, zu massieren, erst sanft, dann heftiger werdend, bis er sein Begehren nicht mehr verbergen konnte – dieses Mal musste er es auch nicht. Jennifers Augen schlossen sich, als sie sich auf ihn setzte und ihm so ihre ganze Schönheit zeigte. Sie schien aus Marmor gefertigt zu sein, von den alten Meistern persönlich und den Göttern geraubt. Solch einen Körper kann es eigentlich nicht geben, hatte er den Anflug eines Gedankens, als er die Erregung ihrer Brüste in seinen Handflächen spürte. Heftiger und immer heftiger wurde ihr Spiel, dem Anderen das Jenseits der begreifbaren Welt zu bieten, bis beider Schreie die wilde Szene schloss. Sie sackten in sich zusammen und kamen aufeinander zum Liegen, vollkommen erschöpft nach einer kurzen doch überwältigenden Lust.
René wachte auf. Er lag allein im Bett. Jennifer saß vor dem Spiegel und kämmte sich ihre langen Haare. Ihr Hals ging geschmeidig in ihre Schultern über, die zwar schmal waren, doch so genau zu ihrer Taille passten. Ihre Schulterblätter traten manchmal hervor, je nachdem, wie sie ihre Bürste führte. Eine filigrane Struktur entlang ihres Rückens hielt sie kerzengerade auf dem Stuhl. Ihre Hüften schlossen sich in vollendeter Harmonie an ihre Taille an. Ihr Po war auch im Sitzen ein Gebilde betörender Anmut.
„Du bist wunderschön“, sprach er es dieses Mal aus.
„Danke für das Kompliment!“
Jennifer hatte bereits im Spiegel gesehen, dass René sie schon für ein paar Minuten betrachtete.
„Du bist auch wunderschön.“
Sie drehte sich um und stand auf. Ihre schlanken Beine bildeten dort ein verschmelzendes Ende, wo für ihn jeglicher Anfang war und welches ihren Körper zu einem wahren Kunstwerk vollendete. Sie kam auf ihn zu. René erhob sich und saß kurz vor dem Bettrand.
„Wir sind geistig eins und ab heute auch körperlich“, sagte sie und drückte seine Wange an ihren flachen Bauch.
„Du hast mich genommen, wie ich war, so nimm mich, wie ich bin“, fügte sie an und massierte seinen Kopf.
Und er ließ seinen Blick zu ihrer glatten Scham nach unten schweifen, die ihm rein gar nichts vermissen ließ.
„Ich muss los, bin schon zu spät.“
Jennifer sammelte ihre Sachen zusammen.
„Es sieht nur so aus, als ob ich dich verlasse, aber ich würde viel lieber hier bei dir bleiben, versprich mir, noch hier zu sein, wenn ich heute Nacht nach Hause komme.
René war überrascht, dass sie ihn allein in ihrem Haus lassen wollte, stimmte jedoch freudig zu.
„Ich werde mich in dein Bett kuscheln und dich tief in mich einatmen!“
„Den ganzen Abend?“
„Den ganzen Abend!“, unterstrich er seine Aussage.
„Na, dann pass nur auf, dass du auch wieder ausatmest, sonst fehlt dir nachher der Sauerstoff und bist zu nichts mehr zu gebrauchen.“
Sie schaute ihn neckisch an, zog ihm ihr T-Shirt aus der Hand und ging ins benachbarte Badezimmer. Eine Minute später stand sie wieder vor dem Bett und warf sich auf ihn.
„Ich vermisse dich jetzt schon“, flüsterte sie in sein Ohr und biss ihn leicht ins Kinn, rappelte sich dann aber schnell wieder hoch.
„Ich liebe dich“; mit einem Handkuss pustete sie ihm diese Worte zu.
„Ich liebe dich auch“, antwortete er etwas später.
Er hörte noch das Schließen der Haustür, als er auch schon einschlief.