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In Schuld gefangen – Kapitel 5 „Verlangen“

Andrea war nach dem Essen noch einmal ganz in seiner Nähe. Sie streifte ihn beim Verlassen des Speisesaals und zog dabei einen Mundwinkel zu einem Lächeln nach oben, verschmitzt, doch zärtlich, und nur erkennbar für den, der darauf achtet.
Er drehte sich um und stieß ein lautes ‚Ja!‘ aus.
Jeder schaute ihn verwundert an. Selbst er war etwas darüber erschrocken, kannte man ihn doch eher als ruhig und zurückhaltend. Aber niemand dachte weiter darüber nach, weil ja schließlich jeder einmal seine ‚Anwandlungen‘ bekam, nur vereinzelt ein kurzes ‚Ja‘, ihn nachäffend, leiser werdend. Die verwunderten Blicke wurden weniger, bis er allein mit seinem kleinen Glück vor dem Sammelwagen stand, das Tablett immer noch in den Händen.
Die Tage vergingen, aber es hatte sich nie ergeben, ihr noch einmal so nah zu kommen.
An einem Samstagnachmittag jedoch waren René und Justin dabei, Molche aus dem alten Graben zu fangen, als Andrea und zwei ihrer Freundinnen zu ihnen stießen.
„Was macht ihr da?“, wollten sie wissen, „habt ihr Lust, mit zum Steinbruch zu gehen?“
„Natürlich!“, stimmten Justin und René sofort zu, denn zum See im Steinbruch wollten sie sowieso, die gefangenen Molche dorthin umsiedeln. Justin ging mit den Freundinnen voraus, Andrea hinterher und René kurz danach. Er zupfte sie am Ärmel ihrer Bluse.
„Ich habe dich die ganze Woche schon gesehen … äh, beobachtet“, René nahm seinen ganzen Mut zusammen, „und hätte dich ganz gerne mal eben nicht nur gesehen, sondern auch“, er musste tief Luft holen, „berührt, so wie letzte Woche.“
Er wurde rot und sein Atem reichte kaum aus, so leise weiterzureden.
„Hast du gehört?“
„Warum hast du es dann nicht getan?“
Sie hatte ihren Schritt schon beim ersten Ton von René verlangsamt.
“Und warum hast du es dann nicht getan?“, wiederholte sie, nahm dabei seine Hand und blickte ihn an.
Strom durchfloss seinen Körper.
„Siehst du, so einfach ist das.“
Und wieder zauberte sie das schönste Lächeln auf ihren Mund, noch schöner als jenes ein paar Tage zuvor. Ihre himmlischen Lippen wurden schmal und umschmeichelten ihre Zähne wie der Rahmen ein Gemälde voller weißer Blüten. In ihren Augen brach sich das Tageslicht zu kristallklarem Türkis, das weit in ihre Seele zu reichen schien.
„Ich wollte, doch ich konnte nicht“, stammelte er ertappt, „ich dachte, du würdest wieder davonlaufen.“
„Ich war doch einfach nur überrascht. Es war schön, deine Hand zu spüren, so wie jetzt.“
Sie drehte seine Hand um und strich mit der anderen Hand über seine Handfläche.
„Würdest du das heute immer noch so machen wie letzten Sonntag? Ich meine …“, sie zog seine Hand an ihre Wange und schloss die Augen, die Züge ihres Gesichtes entspannten sich und sie schien zu träumen.
„Außerdem konnte ich dir nicht sofort nachgeben, das verstehst du doch! Jede deiner Bewegungen habe ich genossen, mir vorgestellt, ich wäre das T-Shirt, das du trägst, die Luft, die du atmest …“
Augenblicklich öffnete sie ihre Augen. War sie zu weit gegangen? War es zu viel für ihn – wie viel an Zuneigung könne er vertragen, vor allem nach dieser kurzen Zeit? Könne er es ertragen, von ihr so eingenommen zu werden? Fragen, auf die es bis dahin keine Antworten gab und nicht geben konnte. Erschrocken blickte sie hoch.
Seine Hand entzog sich langsam ihren schmeichelnden Händen.
Das wars, jetzt ist es vorbei, noch bevor es angefangen hat, dachte sie. Ängstlich, fast flehend schaute sie ihn an: verstehe mich richtig, gib mir ein Zeichen, dass du mehr bist, als die anderen, dass meine Seele einen Hafen finden konnte, mich lieb zu haben, mich zu mögen, so wie ich bin. Seine Hand war ihren Händen jetzt gänzlich entglitten und die Furcht raubte den Glanz aus ihren Augen.
Doch er tat es nur, um ihre Wange erneut zu berühren, über sie zu streichen, in ihr Haar zu fassen, an ihren Nacken, damit sie sich ganz nahekommen, sich ihre Augen schließen und …
„Was ist mit euch los?“
Justin machte kehrt und kam ein Stück zurück.
„Was machst du denn da? Hey, du siehst so anders aus, als vorhin. Zeig mal her, alter Sack.“
Er war bei René und beschaute sich dessen Gesicht.
„Für mich siehst du jetzt aus, als hättest du heute schon den ganzen Tag in die Sonne geglotzt – klitschrot.“
Andrea war indessen weitergelaufen und wollte damit Justins Vergleichen entgehen, gerade wegen René.
„Ist da was im Busch? Andreamäuschen, was hast du mit meinem Kumpel gemacht? Du siehst gar nicht aus, als könntest du ihm so die Luft nehmen.“
Mit einem Schritt hatte er Andrea eingeholt, sie mit einem Zug an der Schulter zum Umkehren gebracht und wegen Renés Gesicht bei sich einen Würgegriff angedeutet.
„Aber du siehst ja genau so aus, wie … und er wie du und ihr seht beide gleich aus und … aha, ich begreife.“
Er drehte sich zu René.
“Altes Haus, wenn du sie dir nicht geschnappt hättest, dann hätte ich es irgendwann getan.“
Er sprachs und war mit einem kurzen Sprint wieder bei den anderen Mädchen.
„Die Spielverderber da hinten, erst wollen die mit und dann ist nichts mehr davon übrig. Aber davon lassen wir uns unseren Spaß nicht verderben.“
Er zwängte sich zwischen die Mädchen und verschwand mit ihnen auf dem Gelände des Steinbruchs.
René und Andrea standen sich gegenüber.
Als sie ihre Augen schloss, durchbrachen die langen Wimpern den Blickkontakt. Ihre Lippen legten sich auf seine und beide vereinten sich zu einem zarten Kuss, wie angedeutet nur, kaum spürbar – eher gehaucht, unendlich zart und unschuldig. René hätte nie gedacht, dass es so unglaublich schön wäre, Zärtlichkeit zu fühlen, dass es außer der liebevollen Zuneigung von Mutter und Vater auch noch eine andere Zärtlichkeit gibt, die ihn mit der ersten Begegnung süchtig nach mehr zu machen schien. Er genoss die Minuten, die ihm nur wie Momente vorkamen und er wünschte sich, dass dieses Gefühl nie enden möge und er den Menschen, der ihm eine ungeahnte Gefühlswelt offenbarte, immer bei sich haben würde. Stunden vergingen, in denen beide die Leere in ihren Körpern und armen Seelen wieder füllten, sich ihren Gefühlen hingaben und an diesem Tag ihre Träume vereinten: nur Zärtlichkeiten, nur Blicke, nur Zweisamkeit.
„Du Blödmann, nichts ist passiert … wir haben nur …“
„Geknackt, ja, ja!“, Justin zeigte auf den Hosenlatz von Renés Jeans und bemerkte weiter, „hätte ich auch nur, wenn ich mit ihr allein gewesen wäre. Aber wer weiß, vielleicht ist sie gar kein Mädchen, bei den kleinen Titten.“
„Brüste sind nicht alles, du Arsch, die von der Krachts sind natürlich viel dicker, würdest du deswegen mit der Krachts was haben wollen?“
Er hielt eine Hand vor seinen Mund.
„Ich könnte reihern, wenn ich nur daran denke, dann vielleicht auch noch … igitt, mit bestem Willen nicht!“
„Die Krachts ist gar nicht so übel, wie du denkst. Sicher kann die einen ganz schön nerven, aber die hat auch ihre guten Seiten.“
René wurde aufmerksam.
„Was meinst du damit?“
„Nun, die Krachts kann sich eben auch etwas anders um einen kümmern, wenn sie will, zumindest um mich.“
„Was kann das schon sein?“, fragte René nachdenklich.
„Du hast doch ständig deine Problemchen mit der, kein Wunder, dass die dich nicht auch …“
„Was nicht auch, mich bei den Hausaufgaben unterstützt oder was?“
„Sag mal, bist du so schwer von Begriff oder tust du nur so? Sie macht es mir.“
„Die macht es dir? Nee, du spinnst doch!“
René tippte an Justins Stirn.
„Doch. Sie besorgt es mir. Ich gehe ins Büro, sie drückt meinen Kopf auf ihre dicken Möpse und kontrolliert ausgiebig, ob noch alles da ist. Mann, das ist richtig gut!“
Er zog dabei das letzte Wort in die Länge und grinste, wie nur er grinsen konnte. René schien langsam ein Licht aufzugehen.
„Aha, deswegen hattest du auch mal gesagt, die hätte dich wieder einmal ins Büro gerufen. Ich dachte immer, die faltet dich da zusammen, nee, stattdessen …“
„Immer schön gemächlich“, fügte Justin lauter lachend hinzu.
„Die alte Sau, so tun, als wäre sie Maria persönlich und dann hinten herum an Jungs rumfummeln.“
„Hör auf René, die zwingt mich ja nicht dazu und mir gehts doch richtig gut dabei.“
„Aber das darf die nicht!“
„Dürfen hin, dürfen her, halt ja die Schnauze und hänge das nicht an die große Glocke, versteht du, keiner darf davon erfahren, vor allem sie nicht!“
René wandte sich entsetzt ab. Wie kann die das nur tun?
Den ganzen lähmend langen Nachmittag hindurch ging ihm dieses Gespräch mit Justin nicht mehr aus dem Kopf. Erst dachte er einfach nur weiter nach, spann sich dann aber bald die unglaublichsten Geschichten zusammen, sodass seine Fantasie bis zum Abend ausgiebig strapaziert wurde. Und als der Schock über das Ungeheure einer zu stillenden Neugier gewichen war, war er sich sogar sicher, dass es vielleicht gar nicht so übel wäre, wenn …
Aber wie das eigentlich anstellen? Seinen Kumpel jetzt noch einmal darauf anzusprechen wäre Quatsch, denn dem hat er ja seine Abscheu mehr als deutlich begreiflich gemacht. Und außerdem wollte er nicht, dass Justin denkt, er könnte deswegen später zu kurz kommen. Es wäre doch nur ein Versuch, sehen, was passiert, und vielleicht passiert ja wirklich etwas richtig Tolles.
René wartete ungeduldig bis die Rollläden herabgelassen waren und das große Licht in den Räumen gelöscht wurde. Noch ein paar Minuten und die letzten Nachzügler würden wieder von der Toilette auf ihren Zimmern zurück sein.
Lautlos öffnete er die Tür und schlich über den Flur, der regungslos vor ihm lag. Gespenstische Ruhe. Langsam ging er zum Büro, in dem er sie bald durch die geöffnete Tür am Schreibtisch sitzen sah.
Da saß sie nun. Für ihn war sie immer nur eine Erzieherin gewesen, streng und unnahbar, dazu eine sehr große Frau, deren Fraulichkeit in diesem Moment unübersehbar einen nicht geringen Teil des Schreibtisches einnahm. Ihre Schultern waren breit und die Oberarme kräftig; ihre Haare hatte sie von der strengen Hochsteckfrisur befreit und hingen jetzt in einem leichten Schwung seitlich herab.
Seine Fantasien deckten sich mit diesem Bild und den gleichmäßigen Bewegungen des Kugelschreibers, der in betont weiblich zarten Zügen das Blatt vor ihr füllte. Sie las in einem dünnen Heftchen und schien sich Notizen dazu zu machen. Er trat ein.
„Frau Krachts, ich kann nicht schlafen.“
„Das tut mir leid, aber einen Moment bitte“, entgegnete sie betont freundlich, während sie ihre Notiz beendete und die Broschüre mit dem Titel ‚Das Manuskript‘ zuklappte.
„René, ach du bist es!“
Frau Krachts stand auf und ging zu ihm hin.
„Was ist, dass du nicht schlafen kannst?“
Sie legte eine Hand leicht auf seine Schulter. Mit der anderen führte sie ihn zum Handwaschbecken, das sich in einer kleinen Nische befand, die aus dem Bücherregal zur einen und der Wand zur anderen Seite begrenzt wurde. Ihm schossen Justins Worte durch den Kopf … ins Waschbecken … am Ziel, war doch gar nicht so schwer. Er folgte ihr bereitwillig und in vibrierender Erwartung seines ersten intimen Erlebnisses. Diese vollkommene Frau stand jetzt in seiner unmittelbaren Nähe und ließ ihm am Becken kaum Raum, sich zu bewegen. Sie öffnete den Wasserhahn, nahm die Seife und drehte sie langsam und geschmeidig, bis der Schaum zwischen ihren Fingern erschien. René starrte auf das Schauspiel und war zum Zerbersten erregt. Er sah seine Gedankenspiele Wirklichkeit werden, wie sie ihn jetzt überall einseifen wird, genüsslich, gemächlich, in zarten Zügen, im Kreis oder …, unglaublich, herrlich! Und wirklich, sie legte die Seife wieder auf den Waschbeckenrand, beugte sich mit ihren üppigen Rundungen weit zu ihm herab und – jetzt wird es passieren – seifte ihm das Gesicht ein und spülte mit klarem Wasser nach.
„So, jetzt bist du sauber. Dass du nicht schlafen konntest, lag bestimmt an der Schokolade, die du so kurz vor dem Schlafengehen noch gegessen hast. Du sollst das doch nicht machen, merke dir das bitte fürs nächste Mal.“
Sie ging neben ihm bis zur Tür und legte eine Hand auf die Klinke. Mit einem Kuss auf seine Haare und einem ‚Gute Nacht‘, wie er es noch von seiner Mutter kannte, übergab sie ihn dem Flur. Die Tür schloss sich hinter ihm mit einem leisen Klacken.
René war perplex, konnte nichts sagen. Sich nun nichts anmerken lassen, dachte er sich, sonst mache ich mich zum Idioten. Und außerdem, Hilfe, wer weiß, ob Justin mir nicht nur irgendwelchen Scheiß erzählt hat, und ich Depp glaube dem auch noch.
An Schlafen war allerdings mit solch einer Anspannung nicht zu denken. Die Gefühle brodelten in ihm und riefen danach, gemäßigt zu werden. Mit einem Cocktail wilder Fantasien berührte er sich selbst den Großteil der Nacht hindurch. Aus einer einmaligen Befriedigung wurde ein Tanz süchtiger Explosionen; aus einer anfänglichen Erfüllung wurde aber auch Grauen und aus einem freudvollen Genuss wurde letztendlich eine Nacht mit Übelkeit.
Am nächsten Morgen; Andrea kam in den Speisesaal. Ihre Suche nach René dauerte nur einen kurzen Augenblick. Im Müsli stochernd fand sie ihn, mit gesenktem Kopf und ohne Anstalten, das Frühstück zu sich nehmen zu wollen. Sie war ein wenig irritiert von der traurigen Gestalt, die er abgab?
„Guten Morgen, René.“
Mit einem Lächeln setzte sie sich an seine Seite.
„Was hast du? Du siehst so niedergeschlagen aus.“
„Morgen, es ist nichts!“
René sah auf und blickte ihr ins Gesicht, vermied es aber, in ihre Augen zu schauen. Sie liebkoste ihn mit Blicken, legte ihre Hand auf seine Schulter, berührte seinen Hals mit einem Finger, versuchte, sein Herz zu berühren. Unfähig, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, stand er auf und verließ sie, die ihm sprachlos nachsah.
Beim Hinausgehen kreuzten sich sein Blick und der von Frau Krachts. Sie schaute ihn so an, wie jeden Morgen, freundlich und streng zugleich. Er dachte schon an einen Albtraum, doch seine Appetitlosigkeit brachte ihn in die Realität zurück. Sie sprach ihn an.
„René, wie hast du heute Nacht geschlafen?“
„Es tut mir leid, dass ich gestern bei ihnen hier im Büro war und sie gestört habe. Es soll nicht wieder vorkommen.“
„Aber wofür möchtest du dich entschuldigen?“
René hörte ihr nicht mehr zu.
„Es ist alles in Ordnung, Frau Krachts“, sagte er beim Weggehen, und schon war er nach draußen gelaufen und hatte sich beim Schuppen versteckt, dort, wo ihn keiner sehen konnte und hinter dem Gestrüpp auch nicht vermutete. Er würde sicher die erste Stunde versäumen, aber das war ihm egal. Ihm schien, als würde ihm das alles von letzter Nacht in großen Buchstaben auf der Stirn geschrieben stehen. Er benötigte Zeit und Ruhe, wieder zu sich zu finden.
War er bis vor kurzem noch ein kleiner Junge, hat sich das inzwischen gewaltig geändert. Seine Verschlossenheit gegenüber aller Weiblichkeit wurde von einer Frau sanft beiseitegeschoben und von der Fantasie mit einer anderen brutal durchtrennt – ein Gefühl ließ sein Herz stark pochen und ein anderes seinen Puls rasen.
Zur dritten Stunde war er dann auch wieder in der Klasse. Frau Krachts persönlich hatte ihn bereits mit der Begründung entschuldigt, durch etwas am Abend seinen Magen verdorben zu haben, sodass er für den Rest des Tages freibekam.
In der Woche danach normalisierte sich sein Gemütszustand allmählich. Andrea war froh, ihren ‚alten‘ René wiederzuhaben und René war glücklich, ihre Nähe wieder genießen zu können. Justin hatte seit diesem Tag kein Wort mehr über die angebliche Geschichte mit Frau Krachts verloren und alles schien wie zuvor.
Als er jedoch eines Tages Kai sah, wie er kräftig in kreisenden Bewegungen auf Gretas Po herumrieb, stellte er fest, dass sich er und Andrea bis dahin tatsächlich nur geküsst haben. Er war nie auf den Gedanken gekommen, ihren Po, ihre Brüste oder gar ihren Schambereich zu berühren. Andrea hatte auch nie etwas gesagt oder gewollt, zumindest hatte sie keine Andeutungen gemacht, fast so, als genüge ihr dieser Zustand der reinen Gefühle in Liebe. Sie wich ihm sogar aus, wenn er ihren Knackpo oder ihre wunderschönen Brüste ansprach, deren wahre Formen und Größe er bis dahin allerdings nur unter Stoff verborgen vermuten konnte. Als er aber sah, wie Greta ihren Po nicht wegzog, sondern genüsslich nach außen streckte und sich Kais lustvolles Reiben gefallen ließ, hatte er gleich wieder den Wunsch, dieses kurze, dafür aber umso intensivere Gefühl von letzter Woche erneut verspüren zu wollen.
Trotzdem sollte Sexualität zwischen ihm und Andrea auch viele weitere Wochen später keine Rolle spielen und scheinbar waren alle zufrieden damit.
Andrea und René waren jetzt seit einigen Monaten offiziell ein Paar. Sie feierten inzwischen die Geburtstage des jeweils Anderen und der erste Jahrestag Ihrer Beziehung war gekommen.
„Ich bin glücklich mit dir“, sagte Andrea zu René, kurz nachdem die beiden mit Apfelschorle auf diesen denkwürdigen Tag angestoßen hatten.
Sie beugte sich zu ihm und küsste ihn mit der gleichen liebevollen Sanftheit, wie sie es am ersten Tag tat. René hatte ihr behutsames Vorgehen stets genossen. Bei jedem Kuss eröffnete sich ihm das Gefühl, sich in dieses Mädchen neu zu verlieben. Doch seit einigen Tagen vermisste er während oder auch wegen der sinnlichen Berührung ihrer Lippen ein weiteres Geschehen. Die Zeit für mehr war gekommen.
In seinen Traumbildern hatte Frau Krachts ihn genau da angefasst, wo es am meisten reizt, wo es am schönsten ist, mit einem kräftigen Griff, um ihn zu spüren, um sie zu spüren und das, was daraus folgt. Das zu wissen, war genauso erregend wie das Gefühl selbst. Es fehlte zwar die Liebe, doch auch ohne war der Genuss unbeschreiblich, zumindest für den Augenblick.
Kann es denn sein, dass sich der Geist und der Körper im Zwiespalt befinden und beides nicht vereinbar ist, wollte man entweder die Schmetterlinge im Bauch nicht verlieren oder aber seine Unschuld?
So wusste er genau, was in ihrer Beziehung fehlte. Und er wollte herausfinden, ob ihre Liebe durch solch ein ungezügeltes Treiben nicht noch stärker werden würde.
„Andrea!“, er nahm sie zur Seite, „wir seilen uns hier ab und genießen die paar letzten warmen Sonnenstrahlen heute am See. Was hältst du davon?“
Ohne darauf zu antworten, zog sie ihn mit sich. Die staubige Straße wand sich um ein paar Kurven. Hand in Hand erreichten sie den See, dessen Wasser auch im Sommer nie wirklich warm wurde. Meistens hielten sich die Heimbewohner an der Ostseite auf, wo kein Strauch Schatten auf die Felsen werfen konnte. René und Andrea jedoch bevorzugten die Nordseite, denn Büsche und junge Bäume brachten vor Felsspalten in direkter Nähe des Wassers die von ihnen gesuchte Vertraulichkeit. In diese Spalten konnten sie sich ganz toll zum Küssen zurückziehen, ohne dass es jemand gleich bemerkte.
„Puh, ist das kalt.“
René zog seinen Bauch ein, als das Wasser über den Bauchnabel schwappte.
“Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich heute nicht hier rein. Doch was macht man nicht alles für die schönste Frau der Welt.“
Andrea lächelte in Erwartung des gleichen Schicksals nur zurückhaltend, doch ließ sie sich mit etwas Nachdruck von ihm ins Wasser ziehen.
„Ich höre das so gern von dir“, sagte sie, „auch wenn es hier drin wirklich richtig kalt ist.“
Sie umarmte ihren Schatz und küsste ihn auf seine Stirn, seine Augen, seine Nase und seine Lippen und bat gleich hinterher, doch wieder rausgehen zu können, weil es ihr zu kalt wäre.
„Eine Sekunde noch, mein Sternchen!“
René umklammerte sie, als wolle er sie wärmen. Er genoss den leichten Auftrieb des Wassers. Alles war so einfach, unbeschwert, als könne er fliegen, zusammen mit ihr. Er spürte die vielen kleinen Hügelchen, die wegen der Kälte auf ihrer Haut entstanden, er spürte das kalte Wasser zwischen seinen Beinen, wie es zu jeder Stelle seines Körpers vordrang und wie wunderbar sich ihr schlanker Körper an seinem anfühlte. Ihn überkam der Wunsch, dass sie ihn beim Schwimmen streifen könnte, mit ihren schlanken Beinen, den Händen vielleicht, rein zufällig, da, wo er es jetzt gern hätte.
Ihr fester Po ragte manchmal aus dem Wasser, als sie sich löste und etwas umherschwamm. Die nassen Haare schmiegten sich an ihren Kopf, einzelne Tropfen saßen auf ihrer Nase und den Wimpern. Sie lächelte unentwegt, auch beim Auftauchen aus dem Wasser, sie war göttlich und für ihn der Sinn seines Lebens.
„Du hast recht, lass uns rausgehen, du bist ganz blau und meine Finger sind eisigkalt.“
René stand schon auf dem Felsen und half Andrea aus dem Wasser. Sie zogen ihre nassen Sachen aus, so, wie sie es immer taten, verschämt, Rücken an Rücken und mit den T-Shirts um ihre Hüften.
„Lass mich deinen Rücken trockenreiben.“
René drehte sich um und wollte Andrea sein T-Shirt über ihre Schultern legen, als sie selbst schon zu ihm zugewandt dastand, nur mit ihrem Slip bekleidet. Ihre zierlichen Brüste wölbten sich fragil von ihrem Körper weg, ihren Kopf hielt sie schamvoll gesenkt.
„Ich liebe dich!“, sagte René nur und legte sein T-Shirt über ihre Blöße, „ich liebe dich!“
Er zog sie an sich heran und eine Träne des Glücks rann seiner Wange herab.