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Ein Wandel ist unabdingbar

Ich bin Jahrgang 1963. Vollkommen überbehütet wuchs ich in eine ausgeprägte Konfliktlösungsunfähigkeit hinein, die sich sogar in Selbstmordgedanken äußerte. Bereits in früher Jugend begann mein starker Tabakkonsum …

Das Chaos meines Lebens: Ich bin Jahrgang 1963. Vollkommen überbehütet wuchs ich in eine ausgeprägte Konfliktlösungsunfähigkeit hinein, die sich sogar in Selbstmordgedanken äußerte. Bereits in früher Jugend begann mein starker Tabakkonsum. Mehr und mehr Trinkgelage folgten. Meine Sexualität geriet außer Kontrolle. Gerade einmal volljährig verließ ich das Elternhaus für ein relativ wohlhabendes und selbstbestimmtes Leben, heiratete viel zu früh, wurde wiederholt Vater und ging trotzdem vehement fremd. Dabei verschwendete ich das Vermögen, wurde natürlich geschieden, trieb mich Jahre lang im Ausland herum und heiratete schließlich erneut, aber das auch nur, um wieder geschieden zu werden. Wieder ging es ins Ausland.

Das Ende dieser aussichtslosen Reise

An einem Abend jenes Auslandsaufenthaltes wurde ich auf Jesus aufmerksam gemacht. Dieses Telefonat hatte seine Wirkung nicht verfehlt und ich ging ernsthaft die Frage an, wer Jesus war. Ich lernte meine heutige Frau und mit ihr die treueste Glaubensschwester kennen, die ich mir erhoffen konnte. Bald suchte ich kaum noch danach, wer Jesus war, sondern vielmehr, wer Gott ist. Die Tragweite dieser Änderung wird mir nach mehreren Jahren intensiven Nachdenkens über Gott immer mehr bewusst, sodass mein Glaubenspfad eigentlich erst hier begann.

Meine Glaubensgeschichte in Bildern

Es begab sich, dass ich hörte, ich könnte an einem Ort voller Herrlichkeit leben. Diese Herrlichkeit wäre der Himmel und Gott thront darin über all das wundervolle Leben, die Pflanzen und die Sterne. Bei ihm könnte ich ewig sein und meine Sorgen und Nöte wären für immer verschwunden und die Tränen meines Lebens getrocknet.

Mein herrliches Leben

Familienmitglieder nahmen mich an die Hand und führten mich zu einer tiefen Schlucht. Das Rauschen des Wassers drang ohrenbetäubend bis ganz nach oben. Ich sorgte mich nicht, denn sie waren hier zu Hause und die Bogenbrücke, die ich schon von weitem sah, war ihr täglicher Weg.

Der Weg zur Herrlichkeit

Als ich mit ihnen näherkam, bemerkte ich die ungewöhnliche Struktur dieser Brücke. Eine verwitternde Schicht schien die Konstruktion von unten her zu stützen. Die hiesige Seite begann darauf mit recht groben Blöcken, die in Größe, Form und Farbe sehr verschieden waren und sich unlösbar aneinanderpressten. Den Anschluss an jenes Gebilde offensichtlich vieler tausender Jahre bildeten vier übereinanderliegende Platten, gefolgt von einem Gemisch aus Sand, Kies und Felsbrocken, was vermengt das andere Ende bildete.

Auf diesem seltsamen Bauwerk sollte ich nun zur anderen Seite gehen? Kein Problem, dachte ich mir ohne langes Überlegen, ich folge einfach den anderen nach und komme wie sie ohne Probleme drüben an. Und tatsächlich, die Oberfläche des Weges war alles in allem eben und sehr gut zu gehen. Kleinere Unebenheiten gab es sicherlich, doch half man mir bereitwillig darüber hinweg, indem ich Fragen umgehend und zu meiner Zufriedenheit beantwortet bekam. Die massive Brüstung zu beiden Seiten der Brücke verlieh mir Sicherheit und das Tosen des gewaltigen Flusses unter mir nahm ich nicht mehr als Bedrohung wahr. Menschen kamen mir entgegen, andere überholten mich sogar. Die Zeit verflog und bald erreichte ich das gegenüberliegende Ende. Schön war es an diesem anderen Ort; viele Menschen sangen, tanzten und freuten sich ihres Lebens.

Aber dennoch gingen sie recht bald wieder zurück. Als ich in ihre erfreuten Gesichter sah, fragte ich mich, warum sie das taten, warum sie das Leben hier wieder mit dem alten Leben eintauschten und das wiederholt, gar mehrmals täglich. Aber auch da bin ich wieder zurückgegangen, bis ich mich eines Tages wirklich ernsthaft fragte, warum ich überhaupt auf die andere Seite möchte, wenn ich doch auch wieder zurückwill.

Erste Zweifel

Kann es dann nicht sein, dass ich die andere Seite nur als Insel betrachte, die mich von meinem wahren Leben auf dieser Seite, der Welt, verschnaufen lässt? Oder ist es nicht gar so, dass nicht die andere Seite der Schlucht mein Ziel ist, sondern dieser angenehme Weg darüber? Wohin führt dann dieser Weg, wenn er hin- und hergeht? Komme ich denn jemals dort an, wo ich ursprünglich einmal hinwollte?

Die Fragen standen im Raum, Antworten darauf bekam ich lediglich von denen, die schon seit langem ihren Weg über die Brücke gingen: „Nein, das ist bei weitem nicht nur irgendein Ort. Dieser Ort ist unser Leben.“

Obwohl niemand klarstellte, welches Leben sie meinten und welcher Ort dann genau damit gemeint war, dachte ich mir, ihnen einfach weiterhin immer schön hinterherzulaufen. Da es schon so lange für so viele Menschen richtig ist, muss es schließlich gut sein.

Der Schreck

Eines Tages war ich in Begriff, die Herrlichkeit der Seite Gottes wieder zu verlassen, um nach Hause zu gehen, als ich beim Nähertreten an die Brücke ein kleines unscheinbares Schild mit kaum noch lesbarer Aufschrift erblickte. Ich hatte es bisher in meiner taumelnden Freude übersehen, doch an diesem Tag fiel es mir auf. Darauf stand nur ein einziger Satz: Die Brücke hat schwere statische Mängel.

Erschrocken blieb ich stehen und blickte auf die anderen Leute, wie sie unbekümmert die Schlucht auf jener Brücke überwanden.

Würde man über eine hohe Brücke gehen, obwohl sie augenscheinlich nicht sicher sein könnte? Also ich habe das damals getan, waren die überall vernommenen Worte doch so vielversprechend.

Würde man aber über eine hohe Brücke gehen, obwohl sie augenscheinlich nicht sicher sein könnte und darüber hinaus noch vor schweren Schäden gewarnt wird? Mein erster Gedanke: „Also ich würde dann definitiv nicht darüber gehen, auch nicht nach noch so schönen Worten.“

Würde ich das wirklich nicht?

Weit gefehlt, ich ging wieder einmal in der Menge der vielen anderen Brückengänger mit. Die Gefahr, die durch die vermeintliche Sicherheit der massiven Bauweise und der Vielzahl der daran glaubenden Menschen verschleiert wurde, existierte gedanklich bereits dann nicht mehr, als man mich auf die Brücke schob. Niemand sprach Zweifel aus und alle gingen sie mit.

Der Weg flimmerte leicht im Sonnenschein, nichts Merkwürdiges passierte und alle waren sie fröhlich, sodass dieser Schreck schließlich nicht lange anhielt. Ich ging wie alle anderen zurück … und wieder hin und zurück, und hin und zurück, und hin und zurück …

Der Weg, den ich bis hierher ging

Die Bibel ist nichts anderes als jene Brücke. Sie soll den Bogen spannen zwischen dem Unglauben und dem Glauben, zwischen dem verweslichen Körper und dem unverweslichen, zwischen dem Leben auf der Erde und dem Leben bei Gott in den Himmeln.

Alle Gläubigen haben ihr geistiges Leben, das bestenfalls den Glauben an Gott beinhaltet, am Rande jener Brücke begonnen. Da waren die christlichen Lehren, die das Gebilde zu stützen versuchten, da war der Pfeiler der alten Schriften auf der einen und der Offenbarung auf der anderen Seite, da war der Fußweg der Evangelien und links und rechts befanden sich die Geländer der Lehrbriefe mit der drüber thronenden Trinität Gottes. Die Bibel selbst war heilig und nichts konnte an diese festgeschriebene Heiligkeit heranreichen.

Endlich hatte ich etwas in die Hand bekommen, was meinem Leben Sinn verlieh. Wie wunderbar war es, mit den Verheißungen der Bibel aufzustehen, den Tag, den Abend und dann die Nacht mit der biblisch verbrieften Gewissheit zu verbringen, dass ich bereits gerettet sei, egal, was ich so treibe. Alles ist mir vergeben: denke ich an die begehrliche Frau vom Nachbarn – nicht der Rede wert, lüge ich jemandem ins Gesicht – kein Problem, schreie ich jemanden an – auch das ist nicht so schlimm, ich müsste nur einmal ein kurzes Gebet in den Himmel schicken und schon würde ich wieder in den Armen meines geliebten Vaters liegen.

Wie könnte man denn auch etwas anderes denken, steht doch alles so in der Bibel geschrieben, und ganz schlaue Leute haben gesagt, dass sie das Wort Gottes sei. Gott hat sich doch selbst dazu verpflichtet. Wem kann man dann noch einen Vorwurf machen, wenn nicht Gott persönlich?

Ich würde auch heute noch fest an die Bibel glauben; Gott selbst wäre zwar für mich immer noch unerreichbar, aber ich hätte den festen Glauben an etwas, was ich in die Hand nehmen, darin nachlesen, mich mit anderen darüber verständigen und direkt quasi nach Vorlage leben kann. Ich könnte dann auf dieser Brücke herumtanzen und mich mit anderen Gleichgesinnten meines Lebens freuen, ohne befürchten zu müssen, dass etwas passiert.

Weitere Zweifel führten zur Wende

Es gab allerdings einen Mann, der einmal schrieb, dass es notwendig wäre, verschiedene Aussagen der Bibel so zu erklären, dass sie zusammen auch Sinn machen. Das war der Moment, als offensichtlich wurde, dass es sehr wohl Probleme mit der Statik dieser Brücke gibt. Ich wollte sie aber bisher nicht wahrhaben.

Jetzt war es notwendig geworden, sich intensiv mit dieser Problematik auseinanderzusetzen. Es ging dabei nicht darum, die Bibel von vornherein komplett in Frage zu stellen, nein, es sollte vielmehr nach einer Lösung für das Problem des Auftretens von häufigen Ungereimtheiten gesucht werden, die selbst jener Mann, dessen analytische Fähigkeiten höchst bemerkenswert waren, im Endeffekt nicht finden konnte. Es waren also leere Räume entstanden, die gefüllt werden mussten, damit die Brücke nicht doch einstürzt. Es fand sich aber selbst nach intensiver Suche auch unter Zuhilfenahme externer geistiger Quellen keine Füllung, sodass ich annehmen musste, dass es gar keine Füllung dafür gab.

Der Grund

Die Ursachen, also die Hohlräume in der Konstruktion der Bibel, sind nicht durch jene Ungereimtheiten entstanden, sondern durch jedes einzelne und noch so kleine jedoch fragwürdige Indiz. Das heißt im Umkehrschluss nichts Anderes, als dass es keine Ungereimtheiten geben kann, wenn die vorhandenen Informationen klar und deutlich formuliert und natürlich glaubwürdig nachgewiesen sind. Da die Bibel nur so vor Ungereimtheiten strotzt, wurde es notwendig, mit einer anderen und von der Bibel unabhängigen Vorgehensweise an die Sache heranzugehen, Gott zu erkennen.

Der Ausweg aus dieser Misere

… und die Herausforderungen dabei

Es begab sich also, dass sich mir ein Gedanke in den Weg stellte, der von einem anderen Weg quer über die Schlucht sprach. Dieser Weg wäre nicht annähernd so komfortabel wie die Bogenbrücke. Es gäbe keine hohen Brüstungen, die mich vor Gefahren schützen, der Pfad hinüber wäre sehr schmal, manchmal glitschig, doch weitgehend holprig und das tosende Wasser unter mir würde mich hin und her werfen, so sehr würde es nach oben stieben. Es würde mir gerade auf den ersten Metern die Sicht nehmen wollen und ich könnte ausrutschen und tief fallen, wenn ich zu schnell laufe, und ich würde verzagen wollen, wenn es nur langsam vorwärtsgeht. So müsste ich es auch unbedingt wollen, denn die Erinnerungen an die Wohlgefälligkeit der Bogenbrücke zwischen den beiden Leben würden an mir nagen. Die Reise auf diesem Steg dagegen sei hart und endet nie, und je näher ich der anderen Seite komme, desto weiter rückt sie davon. Doch muss ich verstehen, dass es nur scheinbar so ist, denn Gott als Ziel lässt sich finden.

O ja, ich wollte diesen Weg gehen, egal, was sich mir in den Weg stellen wollte, egal, was mich schüttelt und an mir reißt. Denn gleichzeitig mit diesem Gedanken kam die Gewissheit, dass die Sicherheit Gottes stets bei mir sei und ich, sollte meine Kraft einmal nachlassen, nur nach ihm greifen muss, mich an ihm zu halten, um in seiner Gegenwart die Kraft wiederzufinden, den Weg fortzuführen.

Ich ging also los und gehe immer noch auf diesem Weg. Gott, mein Vater, ist stets bei mir und bietet mir seinen Halt an. Natürlich komme ich, ohne mich an ihm festzuhalten, keinen Meter weiter, möchte ich nicht Gefahr laufen, dem Sog der Welt zu erliegen. Doch je länger ich unterwegs bin, desto mehr freue ich mich über jeden noch so kleinen Schritt meines Lebensweges mit ihm.

Was mir half Ballast abzulegen

Ich hätte es noch vor kurzem nicht für möglich gehalten, dass für mich dabei einmal die Wissenschaft eine Rolle spielen würde, der Erkenntnis Gottes näherzukommen. Doch nunmehr weiß ich, dass sich in der heutigen modernen Zeit nur mit der Wissenschaft ein Zustand der Sicherheit im Glauben erreichen lässt. Ohne Wissenschaft bleiben zumindest unbewusst Zweifel und der Glauben ist schwach.

Man kann Gott nicht greifen, was ein äußerst großes Problem für alle Gläubigen darstellt. Das sensitive Greifen, die Berührung, oder sei es auch nur das Wissen, dass man Dinge theoretisch berühren könnte, ist substanziell, um sich aus seiner weltlichen Umgebung zurückziehen und damit vor ihr verstecken zu können. Der Mensch braucht eine Wand, hinter der er Schutz findet. Wenn es nicht Gott ist, ist es etwas anderes.

Die Archäologie als äußerst hilfreiches Werkzeug der Wahrheitsfindung im Allgemeinen und die modernen wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden zur Datierung und Materialbeschaffenheit im Speziellen fanden zusammen wichtige Nachweise für die spärliche und oft falsche Grundlage, worauf die Bibel historisch aufgebaut ist.

Der Mensch sträubt sich innerlich gegen Aussagen, die für ihn keinen Sinn ergeben, es sei denn, man redet sich etwas ein. Ich rede mir nichts ein. Dafür habe ich keinen Nerv. Und wenn ich nicht alles glauben kann, was mir vorgesetzt wird, kann ich das auch nicht berücksichtigen, egal, wie sehr mir das persönlich entgegenkommt.

Wie dem auch sei, die Bibel hat in jedem Fall jeder kritischen Untersuchung standzuhalten, da kann es keine Ausnahmen geben – Wunschdenken führt lediglich in ein geistiges Fiasko.

Also ja, die Wissenschaft, zu der die Archäologie als Teil der Sozial- bzw. der Geisteswissenschaft unbestritten gehört, hilft sehr wohl, Gott zu erkennen, denn die Wissenschaft weist nach. Sie ist keine Gefahr für meinen Glauben an Gott, da sie als konträre Kraft zum Glauben an ihn seine Existenz nicht beweisen will, seine Nichtexistenz aber auch nicht beweisen kann. Für mich ist Gott nicht ein vages Konstrukt aus Aussagen, das durch die Hoffnung auf Erklärungen durch einen heiligen Geist am Leben gehalten wird, sondern die logische Schlussfolgerung aus dem, was um mich herum real existiert und geschieht.

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