Gott ist reine Rationalität, bei dem ein „Ja“ ein „Ja“ und ein „Nein“ ein „Nein“ ist. Die menschliche Liebe, und davon reden wir schließlich, ist dagegen pure Emotion, in deren Schwankungen es keinerlei Kontrolle gibt. Es ist schon deshalb mühselig, darüber nachzudenken, ob wir Gott lieben sollen. Das erste Gebot des angeblichen Gesetzes von Gott an Mose schreibt vor: „Du sollst Gott lieben mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen, mit ganzer Kraft und mit ganzem Verstand!“
Oh Mensch, der du ewig träumst und nichts erreichst. Es ist nicht möglich, ganz und gar nur eine einzelne Bedingung davon zu erfüllen:
- Seele: Die Seele ist von Gott. Ich kann mich ihrer nicht bedienen.
- Herz: Wie kann ein böses Herz Gutes hervorbringen?
- Kraft: Voller Sünde bin ich vollkommen kraftlos.
- Verstand: Der menschliche Verstand sagt mir, dass es nur um mich geht.
Die Liebe wird vom Menschen gerade wegen ihrer extremen Natur und der Wirkung auf ihn so sehr herbeigesehnt.
Die Liebe verspricht ein Leben ohne Langeweile, sie setzt ungeahnte Kräfte frei, sie lässt hoffen, sie lässt alles Negative (vermeintlich) vergessen, sie lässt den Menschen ein scheinbar völlig anderer Mensch werden und sie ist theoretisch frei und nahezu unbegrenzt verfügbar.
Die Liebe hat aber auch eine andere Seite. So schlägt die Liebe mitunter (ganz schnell) in Hass um. Sie lässt seit Menschengedenken moralische Werte in den Hintergrund treten, sie lässt bewusst lügen (auch dem Partner gegenüber), sie setzt sich unbekümmert über allgemeine Gesetze hinweg, sie stiftet gern Neid, Missgunst und Gier, sie neigt schon mal zu (häuslicher) Gewalt, sie drängt nicht wenige zum eigenen oder des anderen Selbstmord und den Mord an den anderen (gerade noch geliebten) Menschen und, wie die Geschichte beweist, sogar an ganzen Völkern.
Nur dieses Extrem sorgt einer Sucht gleich beim Menschen dafür, permanent in diesem Extrem leben zu wollen: Ich will lieben und ich will geliebt werden!
Soll das die Grundlage für eine Beziehung zu Gott sein?