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Die Bibel ist die Muse der Welt

Die Bibel ist spannend zu lesen und zeigt auch dem Ungläubigen die wahre mit Schuld besudelte und unbelehrbare Natur des Menschen, mehr aber auch nicht.

Das sogenannte Buch der Bücher ist unbestritten ein gewaltiges Werk. Viele Autoren waren an ihrer Entstehung beteiligt. Die Bibel ist spannend zu lesen und zeigt auch dem Ungläubigen die wahre mit Schuld besudelte und unbelehrbare Natur des Menschen, mehr aber auch nicht. Und weil der feste Glauben an Gott schließlich das einzige ist, was zählt, kann deshalb für mich die Bibel, selbst wenn Teile davon wahr sind, nur sehr beschränkt als hilfreich für meinen Glauben an Gott angesehen werden.

Die Christen sehen in der gesamten Bibel und die Juden und Muslime zumindest in Teilen davon ein Werk, dessen hundertprozentiger Wahrheitsgehalt sich daraus ergibt, dass irgendwelche Leute festgestellt und damit quasi in Stein gemeißelt haben, es wären alle Worte in den Schriften des Alten Testaments und des Neuen Testaments von Gott eingegeben und somit selbstverständlich auf ewig wahr. Natürlich sind da Fragen völlig überflüssig oder gar eine Todsünde. Wer wagt schon, Gottes eingegebenes Wort in Zweifel zu ziehen, obwohl es doch nur Menschen waren, die sich nach deren persönlichen Eingebungen geäußert haben. Ja, viele Menschen haben Eingebungen, ob das allerdings Gottes Worte sind, kann niemand mit Sicherheit sagen und sollte wohl eher bezweifelt werden. Der Mensch behauptet sowieso sehr gern sehr viel, ohne auch nur einen einzigen Nachweis dafür erbringen zu können.

Ursprünge der Bibel

Die Bibel besteht aus Büchern, die in den Originalfassungen nicht mehr vorhanden sind. Was wirklich noch an Skripten, Aufzeichnungen und Notizen existiert, die unter Umständen ein etwas anderes Licht auf verschiedene Themen der Religionen werfen könnten, kann nicht gesagt werden. Was wir aber wissen, ist, dass in Israel die ältesten Texte frühestens im 8. Jh. v. Chr. verfasst wurden, weil die Schrift, oder was man als Schrift bis dahin bezeichnen konnte, keine komplexen Texte zuließ. Alles, was sich auf die Zeit vor dem 8. Jh. v. Chr. bezieht, entspringt Erinnerungen.

Erzählungen können Geschichte nicht widerspiegeln

Jeder von uns weiß, dass Details unserer Erinnerung sehr schnell verblassen und eigene Gedanken, mitunter Wunschgedanken, sie immer weiter verwässern. Wenn wir dann darauf zu sprechen kommen, was vor zweihundert, fünfhundert oder tausend Jahren geschah und es keine schriftlichen Aufzeichnungen dazu gibt, sind diese Aussagen wohl eher zu nichts mehr zu gebrauchen.

Übersetzer sind ein maßgebliches Risiko für inhaltliche Wahrheit

Die vielen Autoren der einzelnen Texte des Alten Testaments, die dem vereinten Königreich Israel stammten, sind, wenn überhaupt, nur vage bekannt. Auch die Autoren der Texte des Neuen Testaments können nur vermutet werden. Vermutungen helfen aber prinzipiell nicht, wenn es darum geht, aus Schriften auch nur ansatzweise eine Erkenntnis zu gewinnen, die über das hinausgeht, was die Verfasser mit dem Schreiben der Texte aussagen wollten. Darüber hinaus sind vorliegende Schriftstücke ausschließlich Kopien von Übersetzungen und der Inhalt damit überhaupt nicht als Nachweis für Originalität nutzbar. Es gibt zudem ein grundsätzliches Problem mit Übersetzungen. Sie werden von Menschenhand angefertigt, wobei zwangsläufig sprachliche Besonderheiten, lokale Redewendungen, regionale Kultur, gelebte Tradition, persönliche Betrachtungsweisen, eigene oder andere theologische Lehrmeinungen inklusive des eigenen Glaubens mit in die Übersetzung auch von unter Umständen bereits zuvor übersetztem einfließen.

Hat Jesus jemals auf die Bibel im Allgemeinen und speziell in der jetzigen Form hingewiesen? Nein! So hat Jesus als Jude zwar auf einzelne Schriften verwiesen, in welchem Umfang und in welchem Kontext diese zueinanderstanden, war allerdings vollkommen nebensächlich, ging es ihm doch immer nur um seinen Vater.

Es kann doch nicht allzu viel wert sein, was heute als Kopie von Kopien lediglich in Bruchstücken vorliegt! Wie kann aus solch einer Zettelwirtschaft ungeklärter Herkunft und voll von Annahmen eine Basis für das Verständnis des damit anzuzweifelnden biblischen Wortes Gottes entstehen? Es ist schier unmöglich!

Die Anmaßung in den Schriften

Die Drohung in der bewusst ans Ende der Bibel gestellten Offenbarung ist ein bemerkenswert dreistes Stück. Sie ist mehrdeutig und wird im allgemeinen Durcheinander wilder Phantasien natürlich für die gesamte Bibel geltend ausgelegt. So soll jeder, der diesem Werk etwas hinzufügt oder etwas davon weglässt, von den darin beschriebenen Plagen heimgesucht und dessen Anteil am Baum des Lebens weggenommen werden. O welch ein Unsinn, kann doch die Offenbarung keinesfalls als eine alleinstehende Abhandlung, ja schlimmer noch, mit gerade einmal zwei kurzen Absätzen darin der Wächter über wirklich alles Geschriebene des Alten Testaments inklusive der Apokryphen und des Neuen Testaments, und damit der gesamten Bibel sein. Und das gut achthundert Jahre nach den ersten geschriebenen Texten des Alten Testaments. Diese legimitierende Drohung gibt dem angeblich einzigen Weg zum Heil Gottes, der Bibel, den Rest.

Jesus sagt ohne jegliche Drohung: „Kehre um zu Gott!“ und stellt damit lediglich ermahnend fest, dass der Mensch ohne Umkehr nicht zu Gott kommt. Bedarf es da weiterer Drohungen? Selbstverständlich nicht!

Der Abschluss der Bibel mit der Offenbarung ist für ein geistiges Vorankommen nicht nur unnütz, sondern vollkommen schädlich, denn Umkehr findet unter Druck erst recht nicht statt. Drohungen erwecken Angst und Angst verengt den Geist. Ein verengter Geist ist nicht mehr offen für Erkenntnis zu Gott hin. Der Mensch erhält einen Tunnelblick, durch den er nur noch das sieht, was ihm vorgesetzt wird. Neue Fragen existieren nicht und die Antworten auf alte Fragen ergeben sich weiterhin lediglich aus der Bibel selbst … wenn überhaupt. Die meisten Christen fragen sowieso nur so lange, bis sie mit der angeblichen Verheißung des Himmelreiches für sie selbst die einzig befriedigende Antwort erhalten haben und daran festhalten. Und die allwöchentliche Beweihräucherung durch die Predigt? Sie ist nicht minder kontraproduktiv, lässt sie doch den Gläubigen in seinem Glauben durch den siebten Geisteshimmel schweben. Und daran sollte man doch wirklich nichts ändern, oder?

Vor diesem Hintergrund: Die Unerklärlichkeit der meisten Weissagungen

Es gibt Aussagen zum göttlichen Ursprung der Wort-laute Gottes auch im Alten Testament. Der Mensch neigt für den Fall, dass etwas so zu sein hat wie gesagt, auf Quellen zurückzugreifen, deren Ursprünglichkeit nicht nachgewiesen werden kann und bei entsprechender Argumentation nicht nachgewiesen werden muss – sprich, man stellt Behauptungen auf, die natürlich nicht widerlegt werden können: „Gott sagte mir, ein Bild ist erschienen, im Traum nahm ich wahr.“ Nicht, dass solche Bilder nicht erschienen sein könnten, doch was beweist das? Nachgewiesenermaßen hat man seit Urzeiten speziell zu rituellen Anlässen berauschende Substanzen zu sich genommen. Gott lässt sich in Trance scheinbar besser feiern. Aber was soll man dann von Visionen oder Prophezeiungen halten? Auch heute greift man sehr gern auf emotionsgeladene, teils okkulte Praktiken bei der Anbetung eines Gottes zurück, was sich in Zungenrede, Spontanheilungen und anderer meist übersinnlicher Erfahrungen äußern soll. Ja natürlich, der Mensch ist, wie er stets betont, schon zu Lebzeiten ein Gott. Doch was daran ist glaubwürdig? Etwa dass Petrus ein Stück auf dem Wasser gelaufen sein soll, die Jünger Krankheiten geheilt haben sollen oder sie plötzlich alle Sprachen dieser Erde sprachen?

Die Bibel muss der Wissenschaft standhalten, nicht umgekehrt!

Wir leben heute in einer doch recht fortschrittlichen Zeit. Jeder vertraut in seinem täglichen Leben der Wissenschaft. Gerade wenn es um die jüngere oder ältere Geschichte des Menschen geht, braucht es eine solche fundierte Wissenschaft: die Archäologie. Nichts ist beweiskräftiger als Funde aus dieser oder jener Zeit, an diesem oder jenem Ort. Es kann so bald eine Geschichte darüber erzählt werden, wie etwas war, wie Menschen lebten oder eben auch nicht. Das ist wunderbar und eröffnet uns den wahren Blick auf die Zeit von vor drei-, zehn-, hundert- oder fünfhunderttausend Jahren bis auf – man höre und staune – je nach Untersuchungsmethode einhundert oder sogar nur dreißig Jahre genau. So kann man nachvollziehen, was wirklich los war, ob es den Exodus überhaupt gegeben haben konnte, ob Abraham in Kanaan ankam, was es mit David und seinem Sohn Salomo auf sich hat, ob die Juden wirklich nie Schweinefleisch aßen und ob es und wie lange bzw. seit wann es eine gemeinschaftliche Verehrung Gottes (bestenfalls das Judentum) in der Gegend um Vorderasien und Nordafrika gab. Ich möchte das hier nicht weiter ausdehnen, aber es ist faszinierend, was die moderne Archäologie mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden schon heute darüber herausgefunden hat.

Das Sich-Winden der religiösen Gralshüter

Da das inzwischen bis in die Kreise bekannter Theologen vorgedrungen ist, werden die Erklärungen immer verworrener. Ein deutscher Theologieprofessor schrieb tatsächlich in einem Artikel, dass gerade die Pluralität des Alten Testaments die Autorität des Alten Testaments begründet. Man muss sich das einmal verdeutlichen: gerade weil das Alte Testament mehrdeutig und deshalb zumindest in Teilen widersprüchlich ist, ist das Alte Testament wahr. Dazu fällt mir nichts mehr ein.

Das Neue Testament ist nicht minder seltsam. Da werden Autoren einfach festgelegt, da werden geistige Dinge mit weltlichem Unsinn vermischt, da wird um die Ecke gedacht und gedreht und festgestellt. Ganz eifrige Bibelforscher finden so tatsächlich noch Zusammenhänge in den widersprüchlichsten Aussagen der Evangelien. Auch ich war anfänglich darüber erstaunt, wie durch diese Menschen Zusammenhänge herausgearbeitet werden können. Oder war bei denen der heilige Geist besonders fleißig, so wie es sich die allermeisten Christen erhoffen, die Bibel quasi erklärt zu bekommen? Letztendlich gab es auch bei diesen Personen natürliche Grenzen der Erklärbarkeit, sodass wichtige Fragen nicht erörtert, geschweige denn durch sie beantwortet werden können.

Wenn man sich vorstellt, dass es studierte Theologen eines angeblich gemeinsamen Glaubens gibt, die allein über die Offenbarung Bücher mit einem Umfang von mehreren hundert Seiten schrieben, und dann darin jeweils widersprüchliche Schlussfolgerungen zogen, kann man sich ausmalen, was jede einzelne Seite dieser Werke für einen Wert hat. Soll man jetzt noch herausfinden, was richtig und was falsch ist? Und was sagen sie aus? Richtig! In der Unmenge an Erklärungen wird jede Möglichkeit abgewürgt, nachfolgen zu können. Gegenteilige Schlussfolgerungen disqualifizieren somit alle beteiligten Werke inklusive der Bibel. Der nach Antworten Suchende versteht die Bibel zumindest in Teilen überhaupt nicht. Auf den heiligen Geist als Antwortgeber zu warten, ist allerdings mindestens genauso naiv, wie auf die Wahrheit durch Bestand zu pochen.

Die Bibel ist nicht nutzlos, aber „schwierig“

Man darf mich nicht falsch verstehen, die alten Schriften inklusive der Apokryphen, die Evangelien und die Lehrbriefe enthalten schon Passagen, die zur Erkenntnisgewinnung zu Gott hin beitragen können. So ist aber die Gefahr übermäßig groß, dass man dem äußerst Zweifelhaften darin auch Glauben schenkt, weil dies nun einmal schmeichelhafter ist als die nackte und vor Gott demütigende Wahrheit in der Nachfolge Jesu. Was das ist, muss jeder für sich herausfinden.

Die Bibel ist eine Sammlung menschlicher Regungen

Eine Menge Bischöfe, die zum überwiegenden Teil aus westlichen Gebieten kamen, haben eine Endfassung der Bibel zusammengestellt, wohl auch zusammenstellen müssen, weil es bis dahin mehrere und teils sehr unterschiedliche Versionen eines Gesamtwerkes gab. Was während dieses „Findungsprozesses“ wirklich eine Rolle spielte, bei dem bekannterweise ein Kaiser federführend war, kann niemand sagen. Ab dem frühen 4. Jh. gab es somit einen (immer noch umstrittenen) Kanon der Bibel mit der römischen-westlichen Kirche als Wächter über gut und böse.

Die Bibel mit gehörigem Streitpotenzial

Selbst in der heutigen Zeit gibt es nicht nur verschiedene Ausgaben mit den unter Umständen gleichen Textpassagen in gegensätzlicher Übersetzung; es sind heute mehrere Versionen der Bibel in Umlauf, je nachdem, von welcher Konfession man spricht. Ist das denn tatsächlich alles Gottes Wort, wenn nach menschlichem Gutdünken das Wort Gottes einmal für wichtig, dann wieder für unwichtig oder im wörtlichen Sinne des Gegensätzlichen ganz und gar für falsch eingestuft wird? Widerspricht der eine Bischof dann nicht dem anderen? Ist des einen Glauben anders als des anderen oder nur besser oder was sonst? Nein, das Ergebnis ist einfach nur schrecklich und absolut unglaubwürdig.

Das Machtwort der Obrigkeit

Von dem bei diesem Konzil anwesenden Kaiser Konstantin I, einem selbstverständlich rein weltlichen Kaiser eines gigantischen Römischen Reiches, welches ganze Völker unterjochte, Millionen von Menschen versklavte und hunderttausende Menschen auf brutalste Weise hinrichtete, kann man genauso selbstverständlich nicht erwarten, dass dieser bei der Durchsetzung wichtigster Fragen der Bibel auch nur in Ansätzen mit Blick auf Gott vorgeht. Wie groß war der Einfluss solch eines Menschen auf die Kirche, wenn er zu jener Zeit der mächtigste Mann der westlichen Welt war? Was kann dann die Bibel sein, wenn nicht ein auf kaiserlichen Druck manipuliertes Sammelsurium von Schriften mysteriöser Herkunft und nahezu völlig unbekannter Urheber?

So sind unter der Führung eines weltlichen Kaisers während des Konzils zu Nicäa die ersten Lehrentscheidungen der christlichen Gesamtkirche zu einem Kanon geworden, mit dem Ergebnis, dass sich ab diesem Ereignis der Glauben an Gott lediglich auf beschriebenes Papier beschränkt.

Denn es geht der Welt doch nicht um Glauben

Es sollte jedem einleuchten, dass die zutiefst gottlose Welt einzig nur deshalb auf Gott zurückgreift, damit die Durchsetzung von höchst persönlichen Interessen erreicht werden kann, auch wenn Offizielle das gern anders darstellen. Das Vermächtnis Jesu wurde schon immer dafür missbraucht und es wird auch weiterhin missbraucht werden. Deshalb lobt nicht nur die Kirche, sondern auch die Welt die Bibel als einen eindrucksvollen Leitfaden für alle Menschen, damit sie weiterhin den weltlichen Interessen freudestrahlend folgen. Da haben ein paar richtige Gedanken, selbst wenn sie aus der Bibel stammen, selbstverständlich keinerlei Chance.

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