Das Alte Testament zeichnet sich durch die Darstellung der anhaltenden Abkehr des Menschen von Gott aus. Ich habe diesen Beitrag hier trotzdem bewusst von den vielen vagen Handlungen und Vorkommnissen des Alten Testaments befreit. Diese waren nichts weiter als Sagen und deshalb vollkommen irreführend und damit unsinnig.
Gott wandelte, so steht geschrieben, mit dem Menschen durch den Garten Eden, was ein ganz sicher paradiesischer Zustand war. Doch steht auch geschrieben: „Die Schlange war listiger als alle Tiere des Feldes.“
Der Sündenfall
Es kann wohl kaum wörtlich genommen werden, dass die Schlange zur Frau sprach und ist deshalb rein bildlich zu verstehen. Die Frau kam entweder spontan oder langsam auf den Gedanken, dass Gottes Warnung als fürsorglicher Vater an den Mann gerichtet lediglich ein Hinweis war und keine Drohung darstellte, deren unvermeidliche Konsequenzen bei Zuwiderhandlung bedeutend geringer einzuschätzen sein dürften, als der Gewinn, zumal man nach dem Verzehr der Frucht selbst quasi ein Gott wäre. Die Entscheidung, von der Frucht zu essen, traf die Frau allein. Sie wurde nicht genötigt, sie wurde nicht bedroht, sie wurde auch nicht anderweitig gezwungen. Nein, sie wollte es von sich aus. Der Mann wurde, wie bereits festgestellt, zuvor eindringlich direkt von Gott gewarnt, unter keinen Umständen von jenem Baum zu essen, doch auch er tat es.
Die Lust ist mehr als Frieden
Die Lust obsiegte und die Begierde manifestierte sich in diesem Augenblick als Ungehorsam gegenüber Gott. Das Verbot forderte den eigenen Willen heraus und der eigene, jetzt freie Wille triumphierte. Die Sünde trennt von nun an den Menschen von Gott.
Mann und Frau waren nackt, erkannten das jetzt und schämten sich deswegen. Die Unschuld wich schlagartig der Scham und die Scham genauso schnell dem Reiz.
Die logische Folge
Beide wurden von Gott des Gartens Eden verwiesen, ohne jegliche Möglichkeit, dort wieder hinzugelangen. Ihr und somit unser aller Weg ist seit dem (im übertragenen Sinn) durch Cherubim verstellt, sodass wir keinen Zugang zum Baum des Lebens und infolgedessen kein ewiges Leben auf dieser Erde haben können.
Das Böse ist gereift
Mit eigenem Willen ausgestattet nannte sich der Mann Adam. Adam gab seiner Frau den Namen Eva.
Adam erkannte Eva, sie wurde schwanger und gebar einen Sohn, Kain genannt. Kurze Zeit später gebar sie nochmals, nämlich Abel. Eines Tages fühlte sich Kain von Gott Abel gegenüber ungerecht behandelt. Kain forderte seinen Bruder Abel auf, mit ihm auf das Feld zu kommen. Als sie dort ankamen, schlug er seinen Bruder Abel tot.
Ob dieser Brudermord jemals stattgefunden hat, kann niemand sagen. Der Mensch hat so kurz nach dem Rausschmiss aus dem Garten Eden Gott mit Sicherheit nicht als Maß aller Dinge gesehen. Es ist deshalb viel eher anzunehmen, dass auch hier bezüglich Gottesfurcht nachgeholfen wurde und diese Geschichte als reine Fiktion zu sehen ist. Nichtsdestotrotz spiegelt diese Erzählung das ewige Streben des Menschen wider, sich um jeden Preis über andere stellen zu wollen. Wohin das führte, lässt sich sehr gut an der Geschichte der Juden, Christen und Muslime nachvollziehen.
Die Ankündigung eines Propheten Gottes
Doch die Lösung naht. Im Jesaja sind folgende prophetischen Worte nachzulesen: „Wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist das Wirken von Gottes Arm geoffenbart worden? Denn er schoss vor ihm auf wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte weder Gestalt noch Schönheit, dass wir ihn hätten ansehen mögen, und kein Aussehen, dass wir Gefallen an ihm gehabt hätten. Er war der meist verachtete und unwerte, voller Schmerz und Leid. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg. Darum haben wir ihn für nichts erachtet. Fürwahr, unsere Krankheiten und Leiden waren es, die er trug. Er lud sich unsere Schmerzen auf, während wir ihn für einen Gestraften, von Gott Geschlagenen und Gemarterten hielten. Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.“