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Die Tradition ist der Auswuchs geistiger Leere

Der Mensch wurde von Gott des Gartens Eden verwiesen. Die neu erworbene Göttlichkeit des Menschen hat sich entgegen seiner Erwartung nur insoweit offenbart, dass er erkennen musste, doch nicht Gott zu sein.

Der Mensch wurde von Gott des Gartens Eden verwiesen. Die neu erworbene Göttlichkeit des Menschen hat sich entgegen seiner Erwartung nur insoweit offenbart, dass er erkennen musste, doch nicht Gott zu sein. Doch weil genau diese Erwartung nicht erfüllt wurde, manifestierte sie sich als Hauptbestandteil seines menschlichen Willens und glüht seitdem als unstillbarer Wunsch in ihm weiter, Gott sein zu wollen.

Die Suche nach einem Ausweg aus der nagenden Krise müsste den Menschen dabei zwangsläufig wieder zu Gott hinführen. Doch wohin führt es in dem grenzenlosen Unverstand menschlichen Seins? Anstatt Gott endlich anzunehmen, wie er ist – ein für den Menschen unerreichbarer Gott – zwängt er ihn in erdachte Formen, die als tote und lebende Heilige, Märtyrer, Propheten und Messiasse angebetet und als Figuren, Bilder, Kreuze, Leuchter, andere Gegenstände und Mythen verehrt werden.

Tradition als handelnder Ersatz

Der selbstsüchtige Mensch kann niemanden über sich ertragen, einen Geist schon gar nicht. Die Verehrung solch einer imaginären Gestalt stellt für den Menschen deshalb prinzipiell ein unüberwindbares Problem dar. Es folgten im Laufe von vielen Jahrhunderten immer mehr Ersatzhandlungen, die in diese bizarre Anbetung Gottes führten und sich folgerichtig auch etablieren mussten. Die unter religiösen Fanatikern praktizierte Selbstgeißelung, der Erlass von unhaltbaren Gesetzen und Geboten und der Bau von monumentalen Anbetungsgebäuden sind Beispiele solch einer völlig verfehlten Gottesfurcht. Nur, weil sich der Mensch ständig selbst etwas vormacht, kann er doch Gott nicht zum Narren halten; da kann man vorhaben, was immer man will, sagen, was immer man will und tun, was immer man will – es wird sich bei allem stets nur darum drehen, was man selbst will. Dass eine Erkenntnis dabei kaum eine Rolle spielen kann, weiß Gott sehr genau.

In der Tradition bleibt alles stecken

Traditionen entstehen aus der allgemeinen geistigen Unfähigkeit des Menschen heraus, an Gott zu glauben. Wenn ich Gott suche und dabei nicht Gott allein im Visier habe, werde ich Gott nie finden. Traditionen bieten eine gewisse Sicherheit, denn es sind fassbare, geistige und sogar fantasievolle Bilder mit ihnen verbunden, die dem Herzen schmeicheln und dem Geist eine Oase bieten. Gerade wenn Traditionen aktiv gelebt werden, verbinden sie Menschen emotional und geben Hoffnung auf eine Zeit bei Gott, auch ohne Gott wirklich gesucht zu haben. So sind Traditionen der Anfang vom Ende eines nur auf Gott ausgerichteten Lebens.

Tradition versagt auf ganzer Linie

Gott lässt sich nicht greifen, aber erkennen. Dieses Erkennen erfordert jedoch, dass der irreführende menschliche Geist den eigenen Willen dazu bringt, Gott überhaupt als das einzig Wahre zu sehen, der durch nichts und niemanden verherrlicht werden kann, außer durch sich selbst. Der Versuch, sich über seit Jahrtausenden gefestigte Traditionen Gott zu nähern, konnte deshalb nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Das klägliche Resultat dieses fortwährenden Feldversuches ist heute eine zutiefst gottlose Welt, in der sich der Mensch mehr denn je selbst als ein todunglücklicher Gott fühlt.

Glaube – nur völlig frei von Tradition

Wenn mein Glaube, so geht es jedem Menschen mit seinem Glauben, der höchst eigene Glaube sein soll, wie kann sich aus dem, was andere vor meiner Zeit glaubten oder während meines Erdenlebens glauben, ein Glaube entwickeln, den ich auch als eigenen Glauben bezeichnen kann? Es stellt sich die Frage, ob wir überhaupt in der Lage sind, durch das Nachfolgen von anderen Menschen zu einem eigenen Glauben zu kommen. Und wie könnte dann dieser nachgeahmte Glauben aussehen, wenn nicht völlig unpassend zu mir? Menschen sind Individuen, so ist der Glaube eines Menschen absolut individuell. Mit allem darüber hinaus gerät der Mensch in einen inneren Konflikt. Die Nachfolge Jesu, zu der Jesus aufgerufen hat, hat sich ausschließlich auf den Glauben an den (geistigen) Vater, Gott, bezogen. Jesus sprach in Bildern, so wird zweitausend Jahre später niemand mehr nur mit Sandalen und einem Umhang bekleidet von der Umkehr zu Gott erzählen, das Verhalten kann jedoch eins zu eins übernommen werden, denn Gott schaut nicht auf das Äußere. Lediglich wie wir sind, interessiert ihn.

Es muss sich einzig alles um Gott drehen

Es darf sich nicht um mich, nicht um dich und nicht um all die anderen Menschen auf dieser Erde drehen, sondern ausschließlich um Gott! Er ist das geistige Ziel. Auf dem Weg zu ihm stellte ich fest, dass er auch der einzige Weg zu ihm ist, auf dem Vergangenes, Traditionen und Wunschdenken keinen Platz haben können.

Nachlese

In wieweit hat auch das Thema „Habe, Besitz, Vermögen gleich Macht” Tradition?

Traditionelle Gräuel

„Macht” steht direkt proportional im Verhältnis zu Besitz. Je größer der Besitz ist, desto größer wird sich zumindest der Machtanspruch darstellen. Das ist eine Gesetzmäßigkeit, welche sich beim Menschen beim Verlassen des Gartens Eden entwickelte: „… im Schweiße deines Angesichts sollst du …”.

Es ist natürlich verständlich, dass schwer erwirtschaftetes auch beschützt werden muss. Wenn es doch nur dabei bleiben würde, denn wenn man etwas hat, wäre es schön, noch mehr zu haben, was natürlich wieder geschützt werden muss. Und was ist mit dem Besitz anderer? Begehrlichkeiten werden sehr leicht geweckt.  Aus dem ursprünglich einfachen Schutz der eigenen Habe entwickelt sich so eine heftige Dynamik um alle Bereiche dieser Thematik herum, die zwangsläufig das Thema „Macht” auf die Tagesordnung setzen muss.

Doch angefangen hatte es bereits, als der Mann und die Frau irgendwann den Baum der Erkenntnis als ihnen gehörig ansahen. Die Ablehnung von Besitzrechten setzte sich durch und Machtgehabe in Form von feindlichem Verhalten bildete sich parallel dazu als ebendiese heute so stark ausgeprägte Grundeigenschaft des Menschen heraus. Das führte später in den Streit zwischen Kain und Abel über eine geistige Wertung Gottes, die durch die bewusste Einbindung von persönlicher Habe ins Gegenteil verkehrt wurde. Dieser Konflikt wurde vom Erstgeborenen Kain auf äußerst blutige Art beendet.

Man kann wohl zu Recht behaupten, dass das der erste durch falschen Glauben motivierte Mord in der Menschheitsgeschichte war und fortan in dessen Brutalität als Vorlage für die vielen nachfolgenden Auseinandersetzungen mit fundamentalistischer Charakteristik dienen. Die Vermischung von angeblicher Gottesfurcht mit ureigenen Interessen entwickelte sich über Jahrtausende hinweg zu einer Art Paranoia, welche es inzwischen unmöglich macht, vernunftbasiert geistige Beurteilungen zuzulassen, die Konflikte von vornherein verhindern könnten. So haben Mord und Totschlag Tradition.

Dieser Gott ist nicht mein Gott

Solcherlei Vorgehen erfreuen sich in der Bibel sogar größter Beliebtheit, wenn im Alten Testament die Grausamkeit der Juden als von Gott gesegnet bejubelt werden, noch schlimmer, wenn Gott selbst als, in meinen Augen, blutrünstiges Monster tausende Feinde der sogenannten Gläubigen an Gott hinraffte und dabei auch nicht vor Kindern Halt machte. Mir scheint es, als ob die Juden und Gott tatsächlich ihre Taten umso mehr rühmen, je barbarischer diese verübt wurden.

Da dies über hunderte, ja, tausende von Jahren bis in die heutige Zeit hinein so geschieht, kann man mit Recht behaupten, dass Grausamkeit als Ausdruck der Verbindung „Habe– Macht” Tradition hat.

Sich Traditionen hinzugeben, macht nur Sinn, solange man nicht über deren Sinn nachdenkt. Beim ernsthaften Nachdenken über Traditionen wird man nämlich sehr schnell erkennen, dass man sich Gott nicht näher fühlt, nur weil man sich emotional einem Gottesersatz in irgendeiner Tradition hingibt.

Doch wer denkt schon ernsthaft über solche Themen nach?

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